Achtundzwanzigstes Kapitel

Vaiṣṇava-Sevā

Im Sommer 1947 begann Śrīla Gurudeva, mit Śrīla Bhaktiprajñāna Keśava Gosvāmī Mahārāja zu Predigerprogrammen zu reisen, begleitet von Sajjana-Sevaka Brahmacārī, Anaṅga-Mohana Brahmacārī und anderen. Ācārya Kesarī sprach vor großen Menschenmengen und inspirierte seine Zuhörer, dem bhakti-Pfad zu folgen. Eines Tages, als Ācārya Kesarī vor einer großen Zuhörerschaft in einer Halle sprach und Gurudeva in seiner Nähe saß und sich Notizen machte, trat ein gepflegter, gutgekleideter Vaiṣṇava durch die Hintertür ein und setzte sich. Ācārya Kesarī hielt kurz inne, während sich ihre Blicke trafen, und bedeutete dann Gurudeva, ihn nach vorne zu rufen und einen Platz auf der Bühne anzubieten. Gurudeva machte einen Platz auf der Bühne frei, bekränzte den Vaiṣṇava mit einer Girlande und trug ihm Sandelholzpaste auf die Stirn auf.

Nach dem Vortrag erklärte Ācārya Kesarī Gurudeva: „Das war ein herausragender Schüler Paramārādhyatama Śrī Guru-Pādapadmas. Sein Name ist Śrī Abhaya Caraṇāravinda Prabhu. Er ist einer der Gründer unserer Gauḍīya-Vedānta-Samiti. Versuche, ihm zu dienen und von ihm zu hören, wann immer du Gelegenheit dazu bekommst.“

Śrīla Gurudeva knüpfte eine enge Beziehung zu Abhaya Caraṇāravinda Prabhu und diente ihm zuneigungsvoll. Er chauffierte ihn vom und zum Tempel, wusch seine Wäsche und brachte ihm prasāda. Abhaya Caraṇāravinda Prabhu pries Ācārya Kesarī vor Gurudeva: „Du bist vom Glück begünstigt, die Gemeinschaft eines so erhabenen Gurus wie Śrīla Bhaktiprajñāna Keśava Gosvāmī Mahārājas zu erhalten. Er dient Śrīla Bhaktisiddhānta Sarasvatī Prabhupāda ohne Unterlass mit Herz und Seele. Unter seiner Führung wird dir der höchste Nutzen zuteil.“ Er unterwies Śrīla Gurudeva: „Im Tempel muss man einige Entsagungen auf sich nehmen. Sei nicht entmutigt, das wird dir im spirituellen Leben helfen. Am Anfang mag es schwierig erscheinen, aber mit der Zeit wird es dir leichter fallen und natürlich und angenehm werden.“

Ein anderer prominenter Schüler Prabhupāda Sarasvatī Ṭhākuras, den Śrīla Gurudeva während dieser Zeit traf, war Śrīla Bhaktipramoda Purī Mahārāja. Er blieb 1947 für einige Monate in Ācāryadevas āśrama. Ācārya Kesarī beauftragte Gurudeva mit dem Dienst seines Gottbruders und beide schlossen enge Freundschaft. Gurudeva begleitete Purī Mahārāja jeden Tag zu Gaṅgā und trug seinen Wassertopf und frische Kleider. Eines Tages, als sie badeten, spülte die starke Strömung der Gaṅgā Gurudevas Wassertopf davon. Dieser Topf war Gurudevas letzter Besitz aus seinem früheren Zuhause gewesen. Śrīla Purī Mahārāja lachte: „Jetzt ist dein letzter materieller Besitz davongeschwommen.“

Śrīla Gurudeva hegte heimlich den Wunsch, seinem spirituellen Meister mehr persönlichen Dienst darbringen zu dürfen. Er bewunderte den Charakter und den Dienst Anaṅga-Mohana Brahmacārīs, des persönlichen Dieners Ācārya Kesarīs. Anaṅga-Mohana begleitete Ācārya Kesarī seit seiner Kindheit überallhin. Er sprach ihn nicht als Gurudeva an, sondern als Bābā, als Vater. Anaṅga-Mohana diente unermüdlich von früh bis spät. Er war ein begnadeter Koch und wenn er sang und dabei mṛdāṅga oder karatālas spielte, lebten die Zuhörer auf. Sein fehlerloser Charakter und sein gütiges Wesen waren überaus anziehend. Obwohl von sehr gutem Aussehen, war er entsagt, besonnen und duldsam. Er hing nicht an gutem Essen, komfortablem Wohnen oder anderem Luxus.

Nach Jahren unentwegten Dienens erkrankte Anaṅga-Mohana auf einer Predigerreise mit Ācārya Kesarī in Kalyāṇapura in Bengalen an akutem Fieber und Husten. Dennoch bestand er darauf, seinen Dienst für Ācārya Kesarī fortzuführen. Dabei brach er eines Tages bewusstlos zusammen. Ācārya Kesarī brachte ihn zu einem erfahrenen Homöopathen nach Kalkutta, doch seine Gesundheit besserte sich nicht. Bald begann er Schleim und Blut zu husten. Ācārya Kesarī kümmerte sich fürsorglich um Anaṅga-Mohana. Als Gurudeva sah, dass das Pflegen Anaṅga-Mohanas Ācārya Kesarī von seinen anderen Aufgaben zurückhielt, bat er: „Guru Mahārāja, bitte erlaube mir, Anaṅga-Mohana zu pflegen.“

„Er ist mein lieber Sohn“, sagte Ācārya Kesarī, „ich werde mich selbst um ihn kümmern.“

„Bin ich nicht auch dein Sohn?“ fragte Gurudeva.

„Doch, du bist auch wie mein Sohn“, stimmte Ācārya Kesarī zu und erlaubte Gurudeva, Anaṅga-Mohana zu pflegen.

Ācārya Kesarī erhielt den Rat, Anaṅga-Mohana nach Siddhāvāṭī in die Berge zu bringen, wegen des günstigen Klimas dort. Śrīla Gurudeva und ein paar Gottgeweihte begleiteten Ācārya Kesarī. Als sich Anaṅga-Mohanas Zustand in Siddhāvāṭī verschlimmerte, brachte ihn Ācārya Kesarī im späten Herbst 1947nach Devaghara in Vaidyanātha Dhāma in Bihar. In Devaghara war Śrīla Gurudeva pausenlos im Dienst beschäftigt. Er sammelte Spenden, kochte, machte sauber und diente seinem spirituellen Meister persönlich. Gleichzeitig pflegte er Anaṅga-Mohana.

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