Die drei Gunas

Wer sind wir?
Was ist unsere  Aufgabe?
Was ist diese Welt?
Warum sind wir verschiedenen Zwängen ausgesetzt?
Und was ist es, das uns an diese Welt bindet?

Diese Fragen stellt Arjuna in der Bhagavad-Gita dem Höchsten Herrn Sri Krsna.

Krsna erklärt die Natur dieser Welt und versichert Arjuna, dass es ihm, wenn er dieses Wissen richtig versteht, leicht fallen wird, sich aus der materiellen Illusion zu befreien. Jedem, der dieses transzendentale Wissen annimmt, wird es möglich sein,  die spirituelle Welt zu betreten.

Sri Krsna erklärt, dass  Er der Vater der Schöpfung ist und die materielle Natur (prakriti) die Mutter, die der Seele einen materiellen Körper gibt, sei es nun der eines Halbgottes oder eines Grashalms.  Die Natur ist nicht der alleinige Ursprung der materiellen Manifestation. Zum Beispiel legt ein Skorpion seine Eier in einen Reishaufen und später erscheint es, als werden die Skorpione  aus dem Reis geboren. Genauso mag man denken, die materielle Natur sei der Ursprung des Lebens. Die Seelen sind jedoch spiritueller Natur, sie werden nicht von der materiellen Natur erzeugt, sondern vom höchsten Vater in den Schoß der materiellen Natur eingegeben. Überall in der Schöpfung gibt es unbegrenzt viele Seelen. Einige unter ihnen sind befreit und andere bedingt. Die befreiten Seelen leben mit dem Herrn zusammen, die bedingten Seelen dagegen leben innerhalb des materiellen Universums und ihr Bewusstsein befindet sich in einem von fünf Zuständen – bedeckt, verkümmert, knospend,  erblüht  oder voll erblüht. Jeder, der sich mit seinem Körper und damit mit der Materie identifiziert, wird von drei materiellen Erscheinungsweisen oder Seilen (Gunas) gebunden – die Sattva (Tugend), Rajas (Leidenschaft)  und Tamas (Unwissenheit)  heißen.

Sattva, oder Tugend, bindet die Seele durch Anhaftung an Glück und Wissen. Sattva schenkt Ruhe und Zufriedenheit, aber eben dieses Ego, „Ich bin zufrieden, ich besitze Wissen“, bindet die Seele an ihren Körper und deswegen wird sie weiter im Karma verstrickt. Als Folge davon muss die Seele wieder einen neuen Körper annehmen und fortgesetzt im Kreislauf vom Geburt und Tod leiden.

Rajas, oder Leidenschaft, ist charakterisiert durch starke Anhaftung an das Sinnliche. Solche Anhaftung ist ein Resultat unserer Wünsche und unseres Umgangs. Die Anziehung zwischen Mann und Frau ist ein typisches Beispiel für Rajas. Man wünscht sich Anerkennung, gute Ehe, gute Kinder und so weiter. Die meisten Leute beten zu Gott um solche Vergünstigungen. Die Ursache der Bindung an diese Welt liegt hauptsächlich in dieser Leidenschaft.

Tamas, oder Unwissenheit, bindet die Seele durch Illusion, Faulheit und Schlaf. Andere Symptome sind auch Verrücktheit, Depression, Unfähigkeit zu handeln oder sich anstrengen, Gewalt und Unreinheit. Man identifiziert sich völlig mit dem materiellen Körper. Man sieht, dass alle Vorväter gestorben sind, und weiß, dass dasselbe auch uns und unseren Kindern geschehen wird. Aber jemand im Tamoguna wird mit allen (auch unerlaubten) Mitteln seine Sinne geniessen wollen. Einige Leute beten sogar zu Gott,  jemand umbringen zu können. Jemand, der spirituelles Leben praktizieren möchte, muss sich unbedingt aus der Bindung der Tamoguna befreien. Dies geschieht leicht durch das Chanten des Hare-Krsna-Mahamantras.

Alle drei Gunas gleichen Ketten an den Füßen von Sträflingen, welche damit in diesem Kerker der materiellen Welt gebunden werden. Sie werden mit goldenen Ketten (Sattva), silbernen Ketten (Rajas) und eisernen Ketten (Tamas) verglichen. Bestraft werden die Seelen deswegen, weil sie sich von Gott abgewandt haben und selbstisch seine Stellung usurpieren wollen. Solange man seinen Körper in einer dieser Gunas verlässt (eine diese drei ist immer vorherrschend), wird man in dieser Welt wiedergeboren, entweder auf den höheren Planeten, auf denen große Weisen residieren, unter den Menschen oder in der Tierwelt.

 

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Wie kann man sich daraus befreien? Wie kann man nirguna werden: transzendental und unbeeinflusst von den drei Gunas?

Der Schlüssel dazu liegt in unserer inhärenten Beziehung zu Gott. Obgleich wir ist nicht vermeiden können, in dieser Welt zu handeln, müssen wir dieses Handeln mit Gott verbinden. Man muss die Wirkung der Gunas richtig verstehen lernen und sich langsam aus der Tamoguna in die Rajaguna und Sattvaguna erheben. Das ist Aufgabe jedes Menschen. In der Gemeinschaft spirituell fortgeschrittener Persönlichkeiten, die über den Gunas stehen, soll man sich dann auch aus der Sattvaguna befreien, indem man dem Herrn dient und über Seinen glorreiche Eigenschaften und Tätigkeiten hört. Diesen Vorgang nennt man Bhakti, und nur durch solche Bhakti ist es möglich, aus der Bindung der Gunas frei zu werden.

Im 14. Kapitel der Bhagavad-Gita erklärt Krsna die Eigenschaften einer befreiten Seele:

Der Höchste Herr sagte: O Sohn Pandus, jemand wird gunatita (transzendental zu den drei Erscheinungsweisen) genannt, wenn er Erleuchtung, leidenschaftliche Anhaftung oder Verwirung weder hasst, wenn sie auftreten, noch nach ihnen verlangt, wenn sie vergehen; der ihnen gegenüber unbeteiligt und ausgeglichen ist und in Glück und Leid unberührt bleibt, da er versteht, dass es allein die drei Gunas sind, die wirken; der in seiner eigener Identität (seinem spirituellen Selbst) verankert ist und keinen Unterschied zwischen einem Klumpen Erde, einem  Stein und einem Stück Gold sieht, der in angenehmen und unangenehmen Umständen der Gleiche bleibt, der intelligent ist und von Lob und Tadel, Ehre und Schmach unberührt bleibt; der seine Freunde und Feinde gleich behandelt und alle materielle Handlungen, außer den zum Leben notwendigen, aufgegeben hat. (BG 14.22-26)

Auch Nahrung, Entsagung, Glaube und Wohltätigkeit werden von den Gunas beeinflusst. In welchen Erscheinungsweisen wir handeln, wird durch unsere Eindrücke aus diesem und früheren Leben bestimmt. In dieser Tabelle werden die jeweiligen Tätigkeiten den drei Gunas und dem Handeln im transzendentalen Bewusstsein zugeordnet:

 

        SATTVA         RAJAS        TAMAS        NIRGUNA
MERKMAL Wissen vom Selbst Sinnengenuss Verwirrung Liebe zu Gott
ERNÄHRUNG vollwertig, rein, leicht erhältlich, bekömmlich zu scharf, zu sauer, salzig, trocken, beißend oder brennend alt, fade, faul oder vergoren geweihte Speisen
ORT Wald Dorf und Stadt Spielhalle, Weinschänke Tempel
ERGEBNIS Glück, Religion, Wissen Sinnenfreude, Leid Depression, Kummer, Täuschung Transzendentale Glückseligkeit
SICHTWEISE Gleichheit in Verschiedenheit Unterschiede und diverse Meinungen grob materialistisch in Beziehung zu Gott
HANDELN selbstloses Karma-Yoga selbstisches Karma sündhafte Tätigkeiten hingebungsvoller Dienst
AUSFÜHRENDE losgelöst angehaftet ohne Unter-scheidungs-vermögen hingegeben
GLAUBEN in das Selbst, die Seele in materielle Ergebnisse in Irreligion in Bhakti oder hingebungsvollen Dienst
OPFER BRINGEN selbstlos, gemäß den Schriften, aus Pflichtgefühl aus Stolz, für den eigenen materiellen Vorteil ohne Glauben und ohne vor-geschriebene Regeln zu beachten zur Freude des Herrn
SPENDEN GEBEN ohne Erwartung, zur richtigen Zeit, am rechten Ort und an eine würdige Person widerwillig gegeben und in Erwartung einer Gegen-leistung ohne Achtung und Respekt gegeben, an unreinen Orten, zu ungünstigen Zeiten und unwürdigen Personen Spenden von spirituellen Dingen (wie spirituellem Wissen) oder für spirituelle Zwecke; an Personen mit Vertrauen in Gott