Das Herz ein­färben

Dritt­klas­sige Schüler ver­nach­läs­sigen die Anwei­sung ihres Gurus. Zweit­klas­sige Schüler folgen der Anwei­sung – jedoch erst, nachdem sie von ihm ange­wiesen wurden. Erst­klas­sige Schüler hin­gegen ver­stehen das Herz ihres Gurus und erfüllen seine Wün­sche, ohne gefragt zu werden. Śrīla Guru­deva diente seinem spi­ri­tu­ellen Mei­ster als ein vor­bild­li­cher Schüler. Er ver­stand die Bedürf­nisse seines Mei­sters und erfüllte sie, ohne dass er gefragt werden musste.

Der Dienst zum spi­ri­tu­ellen Mei­ster ist die wich­tigste Tätig­keit des Schü­lers. Alle Vedi­schen Schriften betonen die Not­wen­dig­keit des Dien­stes zu Śrī Guru. Einem spi­ri­tu­ellen Anwärter, der Zuflucht bei Śrī Guru sucht, gewährt der spi­ri­tu­elle Mei­ster Wissen über die Seele, über die mate­ri­elle Natur und dar­über, wie er reine Liebe zu Gott und damit das höchste Ziel des Lebens erlangt. Dieser Vor­gang spi­ri­tu­eller Voll­kom­men­heit ver­heißt nur dann Erfolg, wenn man Śrī Guru zunei­gungs­voll dient. Durch den selbst­losen Dienst wird die Liebe aus dem Herzen Śrī Gurus in das Herz seines Schü­lers fließen. Nur so erlangt der Schüler Selbst­ver­wirk­li­chung.

Śrīla Guru­deva ver­schrieb sich der Auf­gabe, Ācārya Kes­arīs zufrie­den­zu­stellen, mit der Ent­schlos­sen­heit: „Sogar wenn die ganze Welt gegen mich ist, werde ich nie meinen geliebten Guru­deva und den Dienst zu ihm auf­geben. Guru­deva mag mich nicht beachten oder er mag mich segnen, ganz wie es ihm gefällt, aber ich kenne nie­mand anderen als ihn.“

Zufrie­den­ge­stellt durch Śrīla Guru­devas innere Hal­tung, zeich­nete ihn Ācārya Kesarī mit der Safran­klei­dung aus, welche seine Hin­gabe zum spi­ri­tu­ellen Leben und seine Abkehr von welt­li­chen Wün­schen und Bezie­hungen sym­bo­li­sierte.

In der Gauḍīya‐Vaiṣṇava‐Tradition bedeutet das Annehmen der Safran­klei­dung vairāgya, echte Ent­sa­gung. Wahre Los­lö­sung von Objekten der äußeren Welt ist nur dann mög­lich, wenn man eine inten­sive Anzie­hung zu Gott, anu­rāga, ent­wickelt. Wenn ein Schüler die Safran­klei­dung emp­fängt, bedeutet das, dass er sich inner­lich und äußer­lich mit der Farbe der anu­rāga bedeckt und Zugang zum Dienst Śrī­matī Rād­hārāṇīs erlangt. Indem er sein Herz mit anu­rāga ein­färbt, wird er gegen die Angriffe māyās immun.

Wäh­rend des Holī‐Festes deko­rierte Kṛṣṇa die Lotos­füße Śrī­matī Rād­hārāṇīs mit Safran­pollen. Dann nahm Er Ihren Fuß­staub, rieb sich den­selben Safran­puder überall auf Seinen Körper und erfuhr dabei höchste Glück­se­lig­keit. Einmal erblickten die jungen Pulinda‐Mädchen, die in die Wälder von Vraja kamen, diese safran­far­benen Fuß­spuren Kṛṣṇas auf dem Gras. Mit großem Behagen rieben sie sich den Safran­staub auf ihre Körper und fühlten sich von ihrem Schmerz der Tren­nung von Kṛṣṇas erleich­tert. Śrī­matī Rād­hārāṇīs Herz schmolz, als sie ihre erha­bene Liebe aus einiger Ent­fer­nung beob­ach­tete, und so wurde ihr Leben erfolg­reich.

Als Cai­tanya Mahāprabhu in dieser Welt erschien, über­legte Er: „Ich werde Meine Klei­dung safran­färben, in der Farbe des Fuß­staubs Śrī­matī Rād­hārāṇīs. Dann wird mich Ihre anu­rāga, Ihre reine Liebe zu Kṛṣṇa, beschützen.“ Folg­lich trat Cai­tanya Mahāprabhu im Alter von vier­und­zwanzig Jahren in den ent­sagten Lebens­stand ein und klei­dete sich safran­farben. Dem Bei­spiel Cai­tanya Mahāprabhus fol­gend, nahm auch Prab­hupāda Saras­vatī Ṭhākura die Safran­klei­dung an und weihte seine brah­macārīs und san­nyāsīs in diese Farbe ein.

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