Dreißigstes Kapitel

Das Herz einfärben

Drittklassige Schüler vernachlässigen die Anweisung ihres Gurus. Zweitklassige Schüler folgen der Anweisung – jedoch erst, nachdem sie von ihm angewiesen wurden. Erstklassige Schüler hingegen verstehen das Herz ihres Gurus und erfüllen seine Wünsche, ohne gefragt zu werden. Śrīla Gurudeva diente seinem spirituellen Meister als ein vorbildlicher Schüler. Er verstand die Bedürfnisse seines Meisters und erfüllte sie, ohne dass er gefragt werden musste.

Der Dienst zum spirituellen Meister ist die wichtigste Tätigkeit des Schülers. Alle Vedischen Schriften betonen die Notwendigkeit des Dienstes zu Śrī Guru. Einem spirituellen Anwärter, der Zuflucht bei Śrī Guru sucht, gewährt der spirituelle Meister Wissen über die Seele, über die materielle Natur und darüber, wie er reine Liebe zu Gott und damit das höchste Ziel des Lebens erlangt. Dieser Vorgang spiritueller Vollkommenheit verheißt nur dann Erfolg, wenn man Śrī Guru zuneigungsvoll dient. Durch den selbstlosen Dienst wird die Liebe aus dem Herzen Śrī Gurus in das Herz seines Schülers fließen. Nur so erlangt der Schüler Selbstverwirklichung.

Śrīla Gurudeva verschrieb sich der Aufgabe, Ācārya Kesarīs zufriedenzustellen, mit der Entschlossenheit: „Sogar wenn die ganze Welt gegen mich ist, werde nie meinen geliebten Gurudeva und den Dienst zu ihm aufgeben. Gurudeva mag mich nicht beachten oder er mag mich segnen, ganz wie es ihm gefällt, aber ich kenne niemand anderen als ihn.“

Zufriedengestellt durch Śrīla Gurudevas innere Haltung, zeichnete ihn Ācārya Kesarī mit der Safrankleidung aus, welche seine Hingabe zum spirituellen Leben und seine Abkehr von weltlichen Wünschen und Beziehungen symbolisierte.

In der Gauḍīya-Vaiṣṇava-Tradition bedeutet das Annehmen der Safrankleidung vairāgya, echte Entsagung. Wahre Loslösung von Objekten der äußeren Welt ist nur dann möglich, wenn man eine intensive Anziehung zu Gott, anurāga, entwickelt. Wenn ein Schüler die Safrankleidung empfängt, bedeutet das, dass er sich innerlich und äußerlich mit der Farbe der anurāga bedeckt und Zugang zum Dienst Śrīmatī Rādhārāṇīs erlangt. Indem er sein Herz mit anurāga einfärbt, wird er gegen die Angriffen māyās immun.

Während des Holī-Festes dekorierte Kṛṣṇa die Lotosfüße Śrīmatī Rādhārāṇīs mit Safranpollen. Dann nahm Er Ihren Fußstaub, rieb sich denselben Safranpuder überall auf Seinen Körper und erfuhr dabei höchste Glückseligkeit. Einmal erblickten die jungen Pulinda-Mädchen, die in die Wälder von Vraja kamen, diese safranfarbenen Fußspuren Kṛṣṇas auf dem Gras. Mit großem Behagen rieben sie sich den Safranstaub auf ihre Körper und fühlten sich von ihrem Schmerz der Trennung von Kṛṣṇas erleichtert. Śrīmatī Rādhārāṇīs Herz schmolz, als sie ihre erhabene Liebe aus einiger Entfernung beobachtete, und so wurde ihr Leben erfolgreich.

Als Caitanya Mahāprabhu in dieser Welt erschien, überlegte Er: „Ich werde Meine Kleidung safranfärben, in der Farbe des Fußstaubs Śrīmatī Rādhārāṇīs. Dann wird mich Ihre anurāga, Ihre reine Liebe zu Kṛṣṇa, beschützen.“ Folglich trat Caitanya Mahāprabhu im Alter von vierundzwanzig Jahren in den entsagten Lebensstand ein und kleidete sich safranfarben. Dem Beispiel Caitanya Mahāprabhus folgend, nahm auch Prabhupāda Sarasvatī Ṭhākura die Safrankleidung an und weihte seine brahmacārīs und sannyāsīs in diese Farbe ein.

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