Dreiunddreißigstes Kapitel

Śrī Gurus Garten

Einmal kamen einige Vaiṣṇavas aus der Caitanya-Maṭha in Māyāpura zu Besuch zur Devānanda-Gauḍīya-Maṭha. Als sie ihren Gottbruder Ācārya Kesarī trafen, fragten sie ihn: „Du hast hier einen großen Tempel, aber warum hast du keinen Blumengarten?“

„Habt ihr meinen Garten nicht gesehen?“, fragte Ācāryadeva zurück. „Ich habe viele Blumen in meinem Garten. Ihr Duft wird sich über die ganze Welt ausbreiten.”

„Wir sind um den ganzen Tempel gegangen, aber haben keinen Blumengarten gesehen“, entgegneten die Vaiṣṇavas aus Māyāpura.

„Ich werde euch meinen Garten heute Abend zeigen“, sagte Ācārya Kesarī.

Nach dem Mittags-prasādam ruhten sich die Vaiṣṇavas aus und chanteten. Am Abend kamen alle zum kīrtana und hari-kathā zusammen. Ācārya Kesarī bot seinen Gottbrüdern respektvoll Sitzplätze an. Er sagte: „Jetzt werde ich euch meine Blumen zeigen.“ Dann rief Ācārya Kesarī: „Gaura Nārāyaṇa! Rādhānātha! Sajjana! Kommt und sprecht. Verbreitet den süßen Duft von hari-kathā. Schmückt diesen Ort mit eurer puṣpāñjali. Bekränzt jeden mit einer Girlande aus hari-kathā.“ [Puṣpa bedeutet „Blume“ und añjali „Opferung“. Vaiṣṇavas nennen eine Darbringung von Worten zum Lobpreis des Herrn und Seiner Geweihten puṣpāñjali.]

Sajjana-sevaka, Rādhānātha Prabhu und Gaura Nārāyaṇa sprachen der Reihe nach. Śrīla Gurudeva erläuterte anhand vieler Verse aus den Schriften zuerst, wie Navadvīpa-Dhāma von Vṛndāvana-Dhāma nicht verschieden ist. Er erklärte, dass man den wahren heiligen Ort nicht mit weltlicher Sicht wahrnehmen kann. Man wird lediglich die äußere Bedeckung māyās sehen. Nur durch die Gnade Śrī Gurus wird der Schleier māyās von den Augen gehoben und es wird möglich, den wahren Ruhm des dhāmas zu erfahren.

Danach beschrieb Śrīla Gurudeva die Gauḍīya-Schülernachfolge. Er erläuterte, dass die spirituellen Meister die ewigen Diener des göttlichen Paares Śrī Śrī Rādhā-Kṛṣṇas sind. Sie steigen auf Geheiß der göttlichen Energie, Śrīmatī Rādhārāṇī, aus dem transzendentalen Reich Vrajas in die materielle Welt herab und handeln in dieser Welt als göttliche Gärtner.

Die natürliche Neigung aller Lebewesen ist es, zu dienen. In dieser materiellen Welt jedoch steht jeder in den Diensten māyās. Śrī Guru beschenkt uns durch das Medium transzendentalen Klangs mit dem Wunsch, Kṛṣṇa zu dienen. Zuerst nur ein kleiner Same, wächst diese Neigung zum Dienen allmählich mehr und mehr an und erblüht schließlich in vollkommener Hingabe zu Kṛṣṇa. Der Wind der Zeit trägt den Duft dieser Blumen zu anderen verlorenen Seelen, die dadurch ihrerseits dem Dienst Kṛṣṇas zugetan werden. Śrī Guru pflückt diese Seelen und bringt sie Vṛndādevī, der Eigentümerin Vrajas, dar. Sie stellt sie dann in den Dienst Rādhā-Kṛṣṇas.

Nachdem seine Schüler gesprochen hatten, wandte sich Ācārya Kesarī an seine Vaiṣṇava-Gäste: „Der Duft der weltlicher Blumen verfliegt schnell, aber diese blumengleichen Gottgeweihten werden den süßen Duft von Kṛṣṇas Ruhm auf der ganzen Welt verbreiten. Wenn die Leute dieses süße Aroma riechen, vergessen sie die Welt māyās und tauchen in die Glückseligkeit der Liebe zu Kṛṣṇa ein.“

Die Vaiṣṇavas waren bewegt, dieses erhabene Verständnis Ācāryadevas zu hören und erwiderten: „Jetzt verstehen wir, dass du mit dem Herzen Prabhupādas verbunden bist.“ Sie sahen auch, dass die Nachfolger Ācārya Kesarīs wahrhaft in Navadvīpa-Dhāma lebten. Sie beteten demütig zu ihm: „Bitte, gewähre uns dieselbe Barmherzigkeit, die du deinen Schülern zuteilwerden lässt. Auf diese Weise können wir auch eine Beziehung zum dhāma entwickeln.“

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