Śrī Gurus Garten

Einmal kamen einige Vaiṣṇavas aus der Caitanya‐Maṭha in Māyāpura zu Besuch zur Devānanda‐Gauḍīya‐Maṭha. Als sie ihren Gott­bruder Ācārya Kesarī trafen, fragten sie ihn: „Du hast hier einen großen Tempel, aber warum hast du keinen Blu­men­garten?“

Habt ihr meinen Garten nicht gesehen?“, fragte Ācār­ya­deva zurück. „Ich habe viele Blumen in meinem Garten. Ihr Duft wird sich über die ganze Welt aus­breiten.”

Wir sind um den ganzen Tempel gegangen, aber haben keinen Blu­men­garten gesehen“, ent­geg­neten die Vaiṣṇavas aus Māyāpura.

Ich werde euch meinen Garten heute Abend zeigen“, sagte Ācārya Kesarī.

Nach dem Mittags‐pras­ādam ruhten sich die Vaiṣṇavas aus und chan­teten. Am Abend kamen alle zum kīr­tana und hari‐kathā zusammen. Ācārya Kesarī bot seinen Gott­brü­dern respekt­voll Sitz­plätze an. Er sagte: „Jetzt werde ich euch meine Blumen zeigen.“ Dann rief Ācārya Kesarī: „Gaura Nārāyaṇa! Rād­hānātha! Sajjana! Kommt und sprecht. Ver­breitet den süßen Duft von hari‐kathā. Schmückt diesen Ort mit eurer puṣpāñjali. Bekränzt jeden mit einer Gir­lande aus hari‐kathā.“ [Puṣpa bedeutet „Blume“ und añjali „Opfe­rung“. Vaiṣṇavas nennen eine Dar­brin­gung von Worten zum Lob­preis des Herrn und Seiner Geweihten puṣpāñjali.]

Sajjana‐sevaka, Rād­hānātha Prabhu und Gaura Nārāyaṇa spra­chen der Reihe nach. Śrīla Guru­deva erläu­terte anhand vieler Verse aus den Schriften zuerst, wie Navadvīpa‐Dhāma von Vṛndāvana‐Dhāma nicht ver­schieden ist. Er erklärte, dass man den wahren hei­ligen Ort nicht mit welt­li­cher Sicht wahr­nehmen kann. Man wird ledig­lich die äußere Bedeckung māyās sehen. Nur durch die Gnade Śrī Gurus wird der Schleier māyās von den Augen gehoben und es wird mög­lich, den wahren Ruhm des dhāmas zu erfahren.

Danach beschrieb Śrīla Guru­deva die Gauḍīya‐Schülernachfolge. Er erläu­terte, dass die spi­ri­tu­ellen Mei­ster die ewigen Diener des gött­li­chen Paares Śrī Śrī Rādhā‐Kṛṣṇas sind. Sie steigen auf Geheiß der gött­li­chen Energie, Śrī­matī Rād­hārāṇī, aus dem tran­szen­den­talen Reich Vrajas in die mate­ri­elle Welt herab und han­deln in dieser Welt als gött­liche Gärtner.

Die natür­liche Nei­gung aller Lebe­wesen ist es, zu dienen. In dieser mate­ri­ellen Welt jedoch steht jeder in den Dien­sten māyās. Śrī Guru beschenkt uns durch das Medium tran­szen­den­talen Klangs mit dem Wunsch, Kṛṣṇa zu dienen. Zuerst nur ein kleiner Same, wächst diese Nei­gung zum Dienen all­mäh­lich mehr und mehr an und erblüht schließ­lich in voll­kom­mener Hin­gabe zu Kṛṣṇa. Der Wind der Zeit trägt den Duft dieser Blumen zu anderen ver­lo­renen Seelen, die dadurch ihrer­seits dem Dienst Kṛṣṇas zugetan werden. Śrī Guru pflückt diese Seelen und bringt sie Vṛn­dā­devī, der Eigen­tü­merin Vrajas, dar. Sie stellt sie dann in den Dienst Rādhā‐Kṛṣṇas.

Nachdem seine Schüler gespro­chen hatten, wandte sich Ācārya Kesarī an seine Vaiṣṇava‐Gäste: „Der Duft der welt­li­cher Blumen ver­fliegt schnell, aber diese blu­men­glei­chen Gott­ge­weihten werden den süßen Duft von Kṛṣṇas Ruhm auf der ganzen Welt ver­breiten. Wenn die Leute dieses süße Aroma rie­chen, ver­gessen sie die Welt māyās und tau­chen in die Glück­se­lig­keit der Liebe zu Kṛṣṇa ein.“

Die Vaiṣṇavas waren bewegt, dieses erha­bene Ver­ständnis Ācār­ya­devas zu hören und erwi­derten: „Jetzt ver­stehen wir, dass du mit dem Herzen Prab­hupādas ver­bunden bist.“ Sie sahen auch, dass die Nach­folger Ācārya Kes­arīs wahr­haft in Navadvīpa‐Dhāma lebten. Sie beteten demütig zu ihm: „Bitte, gewähre uns die­selbe Barm­her­zig­keit, die du deinen Schü­lern zuteil­werden lässt. Auf diese Weise können wir auch eine Bezie­hung zum dhāma ent­wickeln.“

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