Das Erscheinen des Gol­denen Herrn

Zur Vaiṣṇava‐Tradition gehört es, an den Erschei­nungs­tagen des Herrn zu fasten. Śrīla Guru­deva fastete des­halb am Gaura‐Pūrṇimā Tag zusammen mit den anderen Gott­ge­weihten, die in der Devā­n­anda Gauḍīya Maṭha zusam­men­ge­kommen waren. Vom mor­gens bis abends wurde das Caitanya‐Bhāgavata und das Caitanya‐Caritāmṛta vor­ge­tragen, ins­be­son­dere wurden die Gründe für das Erscheinen des Herrn erör­tert.

Als der Mond über Navad­vīpa auf­ging, sangen die Gott­ge­weihten das Lob­lied auf die Geburt Śrī Cai­tanyas, wäh­rend Ācār­ya­deva die Bild­ge­stalt Mahāprabhus mit Milch, Joghurt, geklärter Butter, Honig, Zucker, Wasser und duf­tenden Ölen badete. Die Gott­ge­weihten tanzten freud­voll, warfen im Takt ihre Arme in die Luft und riefen im tosenden kīr­tana: „Nitāi‐Gaura Haribol!“ Einige spielten Trom­peten und Hörner, andere Zim­beln und Trom­meln und wieder andere schwenkten mit Hei­ligen Namen bedruckte Fahnen. Nach dem Ankleiden der Bild­ge­stalt schloss sich Ācārya Kesarī den kīr­t­anīyās an. Zei­chen der Ekstase wurden an seinem Körper sichtbar, als er unge­hemmt in Liebe zu Gott tanzte. Fas­zi­niert von diesem Anblick, betete Śrīla Guru­deva um den dar­śana Mahāprabhus und Seiner Gefährten. Plötz­lich hob sich der mate­ri­elle Vor­hang, der das ewige spi­ri­tu­elle Reich bedeckt. Mahāprabhu und Seine Begleiter, Nity­ā­n­anda Prabhu, Gadād­hara Paṇḍita, Advaita Ācārya, Śrīvāsa Paṇḍita, Sañjaya, Mukunda, Vāsu Ghoṣa und andere wurden Śrīla Guru­devas Augen sichtbar. Unge­sehen von gewöhn­li­chen Betrach­tern, tanzten Sie im Hof der Devā­n­anda Gauḍīya Maṭha zum Klang des mahā‐saṅkīrtanas.

mahaprabhu-darshan

Śrīla Guru­devas Haare standen zu Berge, er weinte und zit­terte unkon­trol­liert. Dann fiel er bewusstlos zu Boden. Dank der Barm­her­zig­keit seines spi­ri­tu­ellen Mei­sters durfte Guru­deva Mahāprabhu und Seine Gefährten sehen. Auf diese Weise erfüllt Śrī Guru die Her­zens­wün­sche seines auf­rich­tigen Schü­lers. Als Ācārya Kesarī sah, wie Gaura‐Nārāyaṇa besin­nungslos hin­fiel, nahm er ihn und bet­tete ihn auf seinen Schoß. Langsam kehrte Śrīla Guru­devas Bewusst­sein zurück. Wieder wach, weinte Guru­deva voller Sehn­sucht nach seinem Herrn. Er sprach: „Guru Mahārāja, deine Barm­her­zig­keit ist endlos. Durch deine Gnade allein durfte ich Mahāprabhu und Navadvīpa‐Dhāma erblicken. Doch zu meinem Unglück ist mir die Schön­heit Gaurāṅga Mahāprabhus nicht länger sichtbar.“

Ācārya Kesarī beru­higte ihn: „Sei unbe­sorgt. Bald wirst du Mahāprabhus saṅkīr­tana immerzu wahr­nehmen können.“

Von diesem Tag an konnte Śrīla Guru­deva den wun­der­schönen Anblick Mahāprabhus nicht mehr ver­gessen. Ganz gleich, ob er harināma chan­tete oder im Dienst beschäf­tigt war – das Bild von Mahāprabhus kīr­tana blieb unver­rückbar in seinem Geist.

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