Dreiundzwanzigstes Kapitel

Das Erscheinen des Goldenen Herrn

Zur Vaiṣṇava-Tradition gehört es, an den Erscheinungstagen des Herrn zu fasten. Śrīla Gurudeva fastete deshalb am Gaura-Pūrṇimā Tag zusammen mit den anderen Gottgeweihten, die in der Devānanda Gauḍīya Maṭha zusammengekommen waren. Vom morgens bis abends wurde das Caitanya-Bhāgavata und das Caitanya-Caritāmṛta vorgetragen, insbesondere wurden die Gründe für das Erscheinen des Herrn erörtert.

Als der Mond über Navadvīpa aufging, sangen die Gottgeweihten das Loblied auf die Geburt Śrī Caitanyas, während Ācāryadeva die Bildgestalt Mahāprabhus mit Milch, Joghurt, geklärter Butter, Honig, Zucker, Wasser und duftenden Ölen badete. Die Gottgeweihten tanzten freudvoll, warfen im Takt ihre Arme in die Luft und riefen im tosenden kīrtana: „Nitāi-Gaura Haribol!“ Einige spielten Trompeten und Hörner, andere Zimbeln und Trommeln und wieder andere schwenkten mit Heiligen Namen bedruckte Fahnen. Nach dem Ankleiden der Bildgestalt schloss sich Ācārya Kesarī den kīrtanīyās an. Zeichen der Ekstase wurden an seinem Körper sichtbar, als er ungehemmt in Liebe zu Gott tanzte. Fasziniert von diesem Anblick, betete Śrīla Gurudeva um den darśana Mahāprabhus und Seiner Gefährten. Plötzlich hob sich der materielle Vorhang, der das ewige spirituelle Reich bedeckt. Mahāprabhu und Seine Begleiter, Nityānanda Prabhu, Gadādhara Paṇḍita, Advaita Ācārya, Śrīvāsa Paṇḍita, Sañjaya, Mukunda, Vāsu Ghoṣa und andere wurden Śrīla Gurudevas Augen sichtbar. Ungesehen von gewöhnlichen Betrachtern, tanzten Sie im Hof der Devānanda Gauḍīya Maṭha zum Klang des mahā-saṅkīrtanas.

mahaprabhu-darshan

Śrīla Gurudevas Haare standen zu Berge, er weinte und zitterte unkontrolliert. Dann fiel er bewusstlos zu Boden. Dank der Barmherzigkeit seines spirituellen Meisters durfte Gurudeva Mahāprabhu und Seine Gefährten sehen. Auf diese Weise erfüllt Śrī Guru die Herzenswünsche seines aufrichtigen Schülers. Als Ācārya Kesarī sah, wie Gaura-Nārāyaṇa besinnungslos hinfiel, nahm er ihn und bettete ihn auf seinen Schoß. Langsam kehrte Śrīla Gurudevas Bewusstsein zurück. Wieder wach, weinte Gurudeva voller Sehnsucht nach seinem Herrn. Er sprach: „Guru Mahārāja, deine Barmherzigkeit ist endlos. Durch deine Gnade allein durfte ich Mahāprabhu und Navadvīpa-Dhāma erblicken. Doch zu meinem Unglück ist mir die Schönheit Gaurāṅga Mahāprabhus nicht länger sichtbar.“

Ācārya Kesarī beruhigte ihn: „Sei unbesorgt. Bald wirst du Mahāprabhus saṅkīrtana immerzu wahrnehmen können.“

Von diesem Tag an konnte Śrīla Gurudeva den wunderschönen Anblick Mahāprabhus nicht mehr vergessen. Ganz gleich, ob er harināma chantete oder im Dienst beschäftigt war – das Bild von Mahāprabhus kīrtana blieb unverrückbar in seinem Geist.

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