Drittes Kapitel

Kṛṣṇa, der Sohn Nandas und Yaśodās

Um Ācārya Kesarī zu erfreuen, blieb Śrīla Gurudeva in Mathurā. Er sprach im Tempel hari-kathā und erläuterte das Śrīmad Bhāgavatam. Einige bekannte Einwohner Mathurās begannen regelmäßig zu kommen und fassten Vertrauen. Sie waren vor allem von Śrīla Gurudevas Erläuterungen über die inneren Bedeutungen der Spiele Kṛṣṇas im Zehnten Canto angetan, vom Ruhm Vrajas und von der einzigartigen Gelegenheit, sich an Vraja zu erinnern, während man in Mathurā lebt. Śrīla Gurudeva führte Belege aus dem Śrīmad-Bhāgavatam und anderen vedischen Schriften an und bewies so, dass Vrajendra-Nandana Kṛṣṇa die ursprüngliche Form der Absoluten Wahrheit ist. Im Śrīmad Bhāgavatam (10.5.1-2) beschreibt Śrīla Śukadeva Gosvāmī: nandas tv ātmaja utpanne ‒ „Nanda Mahārājas Sohn wurde geboren“, und jāta-karmātmajasya vai ‒ „die Geburtszeremonie für Baby-Kṛṣṇa wurde durchgeführt“.

Jāta-karma bezieht sich auf Zeremonien nach der Geburt eines Kindes, insbesondere auf das Abtrennen der Nabelschnur. Śukadeva Gosvāmī hätte nicht davon gesprochen, wenn Vasudeva Mahārāja nur das kleine Baby Kṛṣṇa aus Mathurā gebracht und die Tochter Yaśodās mitgenommen hätte. Śukadeva Gosvāmī sagte: „Nanda Mahārāja war von Natur aus sehr großmütig. Als Śrī Kṛṣṇa als sein Sohn geboren wurde, war er von Freude überwältigt. Nach dem Baden, Läutern und Ankleiden des Babys, lud er Brāhmaṇas ein, glückbringende vedische Mantras zu chanten. Danach ließ er eine vedische Geburtszeremonie nach den vorgeschriebenen Regeln durchführen und verehrte die Halbgötter und Vorfahren.“

Das Bhāgavatam belegt, dass Kṛṣṇa direkt aus dem Leib Yaśodā Mātās in Gokula geboren wurde, gleichzeitig aber auch als Nārāyaṇa in Kaṁsas Kerker in Mathurā vor Devakī und Vasudeva erschien. In Mathurā manifestierte Kṛṣṇa sich ohne Flöte und ohne Pfauenfeder. Wenn der Herr mit all seinem Schmuck und vier Händen, die Waffen tragen, erscheint, wie dies in Mathurā der Fall war, wird Er als Nārāyaṇa-Tattva angesehen.

Nachdem Kṛṣṇa erschienen war, verwandelte Er sich auf Wunsch Vasudevas und Devakīs in einen Säugling und wies Vasudeva an, Ihn nach Gokula zu bringen und mit Yogamāyā auszutauschen. Vasudeva brachte Mathurā-Kṛṣṇa nach Vraja. Dort ging dieser in den transzendentalen Körper des ursprünglichen Kṛṣṇas ein, der aus dem Leib Mutter Yaśodās geboren worden war. Nachdem Vasudeva Kṛṣṇa nach Vraja gebracht hatte, ging er mit Yogamāyā den gefährlichen Weg zurück nach Mathurā. Als Kaṁsa erfuhr, dass ein Kind geboren worden war, wollte er Yogamāyā auf einem Stein zerschmettern. Doch sie entschlüpfte seinen Händen und erhob sich in die Luft. Sie nahm die Gestalt der Göttin Durgā an, mit acht Waffen in ihren acht Händen. Śukadeva Gosvāmī beschrieb sie als adṛśyatānujā viṣṇoḥ (Śrīmad Bhāgavatam 10.4.9). Anujā viṣṇoḥ bedeutet: „die jüngere Schwester Viṣṇus.“

Das bedeutet, dass Kṛṣṇa aus dem Schoß Yaśodās geboren worden sein musste, denn Vasudeva brachte Yogamāyā aus Gokula – aus dem Bett Yaśodās. Warum sonst sollte Śrīla Śukadeva Gosvāmī sagen: adṛśyatānujā viṣṇoḥ? Wie sonst konnte er Yogamāyā als anujā bezeichnen: als jüngere Schwester des Herrn? Es ist somit klar, dass sie in Gokula geboren wurde und Vasudeva sie nach Mathurā brachte. Als Kaṁsa versuchte, sie zu töten, gab sie ihm einen Tritt vor den Kopf und rief: „Kaṁsa, du Narr! Welchen Sinn hat es, zu versuchen, mich zu töten? Dein Feind wurde wo anders geboren!“ Als Yogamāyā Kaṁsas Händen entschlüpfte, sagte sie nicht, dass Kṛṣṇa in Mathurā geboren wurde. Sie sagte: „Dein Tod ist woanders geboren (Śrīmad-Bhāgavatam 10.4.12).“ Aus den Schriften geht daher klar hervor, dass Nanda-Nandana Kṛṣṇa in Gokula zusammen mit Seiner jüngeren Schwester Yogamāyā geboren wurde. Nach Kṛṣṇas Geburt in Vraja wurde seine Nabelschnur abgeschnitten und die Brāhmaṇas führten die obligatorischen vedischen Rituale durch. Nārada besuchte Kaṁsa und sprach zu ihm: „Derjenige, der dich töten wird, ist an einem anderen Ort geboren. Du aber sitzt hier, ohne etwas zu unternehmen! Kannst du dich nicht mehr daran erinnern, was deine Familiengöttin, Durgā, gesagt hat?

Im Śrīmad-Bhāgavatam (10.14.1) betet Śrī Brahmā zu Śrī Kṛṣṇa, der als paśupāṅgajāya bezeichnet wird. Aṅgajāya heißt „dem Sohn“ und paśupa heißt „des Kuhhirten“. Hier betet Brahmā zu Kṛṣṇa, dem Sohn Nandas, des obersten Kuhhirten in Vraja. Brahmā betete auf viele Weise zu Kṛṣṇa, aber Kṛṣṇa war nicht erfreut. Daraufhin begann Brahmā die Einwohner Vrajas zu verherrlichen ‒ erst dann war Kṛṣṇa zufrieden. In Vraja ist Kṛṣṇa līlā-puruṣottama, der unerreichte Genießer süßer und liebevoller Spiele mit den Vrajavāsīs. In Mathurā dagegen ist Er nārāyaṇa-tattva, der Gebieter über allen Reichtum und alle Macht. In der Gopī-Gīta (Śrīmad-Bhāgavatam 10.31.1) beten Mädchen von Vraja zu Śrī Kṛṣṇa: „jayati te ‘dhikaṁ janmanā vrajaḥ ‒ Oh Geliebter, Deine Geburt in Vraja macht dieses Land über alle Maßen glorreich“.

Trotz aller Beweise, dass Kṛṣṇa in Wahrheit in Gokula und nicht in Mathurā geboren wurde, glauben die Bewohner Mathurās, dass er in Mathurā geboren wurde und danach von Vasudeva nach Gokula gebracht wurde, wo Nanda Mahārāja Ihn in den ersten Jahren Seines Lebens aufzog. Ein Hauptziel während Śrīla Gurudevas frühem Predigen in Mathurā war, diese falschen Vorstellungen zu beseitigen. Zu diesem Zweck hatte ihn Śrīla Bhaktiprajñāna Keśava Gosvāmī Mahārāja dorthin geschickt.

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