Einleitung

Der höchste Darśana

Entsprechend ihrer Qualifikation, ihrer Verwirklichung und ihrem Verständnis erlangten diejenigen, die die Wahrheit kennen, die Audienz (darśana) des einen Höchsten Wesens. Die Weisen, die von allen materiellen Unvollkommenheiten frei sind, sehen Ihn entweder als (1) Brahman, das alldurchdringende unpersönliche Ganze, (2) Paramātmā, die Überseele im Herzen aller Wesen, oder (3) als Bhagavān, den Höchsten Herrn, die Ursache von beidem, der persönlichen wie auch der formlosen, unpersönlichen Erweiterung.

vadanti tat tattva-vidas
tattvaṁ yaj jñānam advayam
brahmeti paramātmeti
bhagavān iti śabdyate
(Śrīmad Bhāgavatam 1.2.11)

Diejenigen, die Wahrheit kennen, nennen diese Absolute Wahrheit advayajñāna, die eine ungeteilte Wahrheit. Einige beschreiben diese eine Wahrheit als Brahman, andere als Paramātmā und wieder andere als Bhagavān.

Je nach ihrer Stufe der Verwirklichung preisen die großen Seelen den Ruhm und die Tätigkeiten der Absoluten Wahrheit, wie auch die der spirituellen Meister und heiligen Gottgeweihten. „Jiskī rahī bhāvana jaisī hari murat dekhatin taisī ‒ die Form Śrī Haris wird der eigenen Haltung entsprechend wahrgenommen.“

Wie im Śrīmad Bhāgavatam (10.43.17) beschrieben, wurde Śrī Kṛṣṇa, der Ursprung aller rasas (aller Gemütsstimmungen, die in verschiedenen Beziehungen gekostet werden), in der Arena Kaṁsas auf zehn verschiedene Weisen wahrgenommen. Er erschien (1) den mächtigen Ringer wie ein Blitzschlag, (2) den gewöhnlichen Leuten wie ein übermenschliches Wesen, (3) den Frauen wie der Liebesgott in Person, (4) den Kuhhirten als einer der Ihren, (5) den gottlosen Königen als ein strenger Herrscher und Richter, (6) seinen Eltern als ihr Kind, (7) Kaṁsa als der personifizierte Tod, (8) den wenig Intelligenten als die Universale Form, (9) den Yogīs als die im Inneren wohnende Überseele, und (10) den Angehörigen der Vṛṣṇi-Dynastie als der Höchste Gott.

All diese Sichtweisen von Kṛṣṇa sind jedoch entweder gewöhnlich oder aber doch unbedeutend im Vergleich zur Sicht der gopīs, der Kuhhirtenmädchen von Vraja. Selbst die gopīs sehen Kṛṣṇa je nach ihrer Stimmung unterschiedlich. Einige sehen ihn als Vraja-Vallabha, andere als Rādhā-Vallabha, Madana-Mohana, Rādhā-Ramaṇa, Govinda, Gopīnātha, Rādhā-Kānta, Rāsa-Bihārī, Rasika-Rañjana, Giridhāri, Gopāla oder in zahllosen anderen Formen mit entsprechenden Namen. Die Höchste Person Kṛṣṇa ist einer, aber Er erweitert sich in unzählige Formen, wie Seine persönlichen Erweiterungen, Seine Teilerweiterungen, Seine līlā (Spiele)-Inkarnationen oder ermächtigte Lebewesen. Im Herzen der vrajadevīs offenbart Sich Kṛṣṇa, entsprechend ihrer Zuneigung zu Ihm, als ihr Geliebter.

In gleicher Weise gibt es, in Abhängigkeit von der individuellen Qualifikation, auch Abstufungen darin, wie Schüler ihren spirituellen Meister wahrnehmen. Die Sicht (darśana) eines jeden einzelnen ist einzigartig und unnachahmlich. Śrīla Gurudeva ist die Manifestation des Ursprungs aller Gurus, Baladeva Prabhu. Zudem ist er die geliebte Dienerin Śrīmatī Rādhārāṇīs. Jede Verehrung oder Beschreibung Śrī Gurus von einer echten Autorität ist für die Welt segensreich. Die Verständnisse gewöhnlicher Personen dagegen, die nicht den Pfad der Hingabe und der spirituellen Praxis beschreiten, bringen der Welt keinen Nutzen.

Wir sind gefallene Seelen, und Gurudeva kam, um uns zu befreien. Wohl wissend, dass es Millionen Leben dauern konnte, bis jemand qualifiziert werden würde, um ihn mit Gott zu verbinden, bezog Śrīla Gurudeva dennoch jeden mit ein, egal auf welcher Stufe er sich befand. Śrīla Gurudeva unterwies uns mit diesen Worten: „Du bist gefallen. Ich möchte nicht, dass du fälschlich stolz wirst. Sei demütig. Dein dharma, deine wesensgemäße Stellung, besteht darin, Bhagavān zu dienen, nicht, über andere zu herrschen.“ Jemand, der aufrichtig bhakti praktiziert, wird sich demütig und gefallen fühlen, während jemand mit falschem Ego sich stets für groß und außergewöhnlich hält.

Śrīla Gurudeva erinnerte uns oft an die Unterweisungen Caitanya Mahāprabhus:

tṛṇād api sunīcena
taror iva sahiṣṇunā
amāninā mānadena
kīrtanīyaḥ sadā hariḥ
(Śrī Śikṣāstakam 3)

Vertiefe dich immerzu in das Chanten der Namen Kṛṣṇas, indem du dich selbst als unbedeutender als einen Grashalm ansiehst, duldsamer bis als ein Baum, allen angemessen Achtung erweist und niemals Ehre für dich selbst erwartest.

Einige Gurus richten ihr Hauptaugenmerk darauf, ihre Schüler qualifiziert zu machen, und viele Schüler preisen ihren Meister als eine große Seele, weil er sie zu einer hohen Stellung erhebt.

mūkaṁ karoti vācālaṁ paṅguṁ laṅghayate girim
yat-kṛpā tam ahaṁ vande śrī-guruṁ dīna-tāraṇam
Bhavārtha Dipikā

Ich verneige mich vor Śrī Guru, dem Retter der Gefallenen, der Stumme in gewandte Redner verwandelt und Lahme befähigt, hohe Berge zu überschreiten.

Śrīla Gurudeva dagegen betonte diese Stimmung Mahāprabhus:

ayi nanda-tanuja kiṅkaraṁ
patitaṁ māṁ viṣame bhavāmbudhau
kṛpayā tava pāda-paṅkaja-
sthita-dhūli-sadṛśaṁ vicintaya
Śrī Śikṣāstakam
5

Oh geliebter Sohn Nanda Mahārājas, bitte sei diesem Deinem ewigen Diener, der in den grässlichen Ozean des materiellen Daseins fiel, barmherzig. Bitte gewähre mir einen Platz als ein Staubkorn bei Deinen Lotosfüßen ‒ nimm mich als Deinen Diener an.

Je mehr unsere Liebe wächst, umso mehr werden wir uns für gefallen und unbedeutend halten. Śrīla Gurudeva erklärte, dass die Stimmung des Verses „mūkaṁ karoti vācālaṁ“ nicht für Selbstverwirklichung ausreicht, vielmehr müssen wir die Stimmung „ich bin gefallen“ aus dem Vers „ayi nanda-tanuja“ entwickeln. Es ist notwendig, dass wir uns selbst als gefallen ansehen. Wenn wir uns als gefallen sehen, können wir auf dem progressiven Weg fortschreiten und auch anderen helfen. Was gewinnen wir, wenn wir uns für einen paṇḍita halten, der alle Wahrheiten kennt und keinen Fehler begehen kann? Wird sich ein paṇḍita, ein Schriftgelehrter, der die sechs philosophischen Schulen kennt, für gefallen halten? Stattdessen wird er erklären: „Du hast vier Schwächen: (1) eine falsche Wahrnehmung der Realität, (2) die Neigung, Fehler zu begehen, (3) die Neigung zum Betrug, und (4) unvollkommene Sinne. Was du schreibst, ist nicht korrekt.“

Solange wir uns nicht der Führung der gopīs anvertrauen, können wir keinen vollständigen darśana Śrī Gurus erhalten. Und die gopīs erkennen diejenigen an, die sich Śrī Guru ergeben und sich für gefallen und unbedeutend halten. Andere Menschen mögen ihre eigene Sicht Śrī Gurus haben, aber dies offenbart ihn nicht unbedingt von einem spirituellen Standpunkt. Die gopīs, deren erhabene Stellung alles andere übertrifft, sehen sich selbst als gefallen. Beim Treffen in Kurukṣetra sagten Śrī Rādhikā und die anderen gopīs:

āhuś ca te nalina-nābha padāravindaṁ
yogeśvarair hṛdi vicintyam agādha-bodhaiḥ
saṁsāra-kūpa-patitottaraṇāvalambaṁ
gehaṁ juṣām api manasy udiyāt sadā naḥ

Oh Herr, dessen Nabel einem Lotus gleicht: große Yogīs, die über tiefe Intelligenz verfügen, meditieren in ihrem Herzen über Deine Lotosfüße. Deine Lotosfüße sind das einzige Mittel zur Befreiung für die in den Brunnen des materiellen Daseins Gefallenen. Oh Herr, gewähre uns die Segnung, dass wir selbst bei unseren Haushaltspflichten Deine Lotosfüße in unseren Herzen behalten und sie nicht für einen Moment vergessen mögen.

Selbst wenn jemand die Wahrheit über Brahman, Paramātmā und Bhagavān kennt: solange er nicht von seinem Berg des Stolzes herabsteigt, wird es ihm nicht möglich sein, die Stimmung Vrajas zu kosten. Es heißt:

ye ‘nye ‘ravindākṣa vimukta-māninas
tvayy asta-bhāvād aviśuddha-buddhayaḥ
āruhya kṛcchreṇa paraṁ padaṁ tataḥ
patanty adho ‘nādṛta-yuṣmad-aṅghrayaḥ
Śrīmad Bhāgavatam
10.2.32

Diejenigen, die sich für befreit halten, aber kein Interesse am hingebungsvollen Dienst für den Herrn zeigen, fallen wieder in die materielle Existenz herab, denn ihr Bewusstsein ist unrein und es fehlt ihnen die Zuflucht des transzendentalen Reiches.

Auch wenn jemand eine hohe Stellung erlangt hat, aber Kṛṣṇa und Seine Geweihten nicht respektiert und keine Beziehung zu ihnen besitzt, wird er letztlich wieder zu Fall kommen. Śrīla Gurudeva lehrte seine Nachfolger, demütig zu sein und ihre Stellung als bloße Diener zu akzeptieren.

ye yathā patita haya, tava daya tata taya

In dem Maß, wie jemand gefallen ist, wird er Barmherzigkeit empfangen.
.

Der Ruhm Śrī Gurus

Die Herrlichkeit Śrī Gurus wird in allen Schriften beschrieben und vom Höchsten Herrn selbst vorgezeigt. Während Seiner Spiele als Gelehrter im Familienstand reiste Caitanya Mahāprabhu einmal nach Gayā, um die śrāddha-Zeremonie für Seinen Vater durchzuführen. Dort traf er Īśvara Purī. Als Er die dīkṣāmantras von ihm empfing, betete er:

prabhu bale, ‒ ‚gayā-yātrā saphala āmāra
yata‒kṣaṇe dekhilāṅa caraṇa tomāra
tīrthe piṇḍa dile se nistare pītṛ-gaṇa
seha,‒yāre piṇḍa deyam tare’sei jana
tomā’dekhilei mātra koṭi-pītṛ-gaṇa
sei-kṣaṇe sarva-bhandha pāya vimocana
ataeva tīrtha nahe tomāra samāna
tīrther o parama tumi maṅgala pradhāna“
Caitanya-Bhāgavata
, Ādi-Khaṇḍa 17.50-53

Der Herr sagte: „Jetzt, da Ich den Anblick Ihrer Lotosfüße erlangt habe, ist Meine Reise nach Gayā erfolgreich. Wenn man den Vorfahren an einem heiligen Ort Opfergaben darbringt, werden sie befreit ‒ allerdings nur die Vorfahren, denen man die Gaben darbringt. Doch einfach durch Ihren Anblick werden sogleich Millionen Vorfahren von der materiellen Bindung befreit. Deshalb lassen sich heilige Orte nicht mit Ihnen vergleichen, denn Sie reinigen selbst die heiligen Orte.“

Śrī Caitanya Mahāprabhu empfing dīkṣā von Īśvara Purī und zeigte, wie man Śrī Guru ehren sollte. Er pilgerte zu Īśvara Purīs Geburtsdorf, rieb sich den Staub von diesem Ort auf Seinen Körper und trug immer etwas davon mit sich.

Śrī Guru läutert die bedingten Seelen, befreit sie aus der materiellen Bindung, erweckt reine Liebe zu Gott in ihrem Herzen und führt sie zu ihrer wahren spirituellen Natur und Form. Śrīman Mahāprabhu ordnete an:

yāre dekha, tāre kaha ‚kṛṣṇa‘‒upadeśa
āmāra ājñāya guru hayā tāra’ei deśa
Caitanya-Caritāmṛta
, Adi-Līlā 13.30

Unterweise jeden, dem du begegnest, in den Lehren Śrī Kṛṣṇas. Werde auf diese Weise ein spiritueller Meister und befreie dieses Land.

Eine solche Persönlichkeit, die die Verantwortung trägt, selbst Bhagavān zu dienen als auch andere in Seinem Dienst zu beschäftigen, wird guru genannt. Er ist der Wohltäter der gesamten Welt.

Śrīman Mahāprabhu sagte auch:

 kali-kālera – kṛṣṇa nāma-saṅkīrtana
kṛṣṇa-śakti vinā nahe tāra pravartana
Caitanya-Caritāmṛta
, Antya-Līlā 7.11

 Wer nicht mit Kṛṣṇas śakti, mit Kṛṣṇas Energie, ermächtigt ist, kann die Herrlichkeiten Bhagavāns nicht verbreiten und auch andere nicht zum Dienst des Herrn bewegen. Es ist die Funktion der Göttlichen Energie (svarūpaśakti), jeden im Dienst des Höchsten Besitzers aller Energien (śaktimān) zu beschäftigen. Die drei Aspekte der Göttlichen Energie werden sandhinī (die Existenzenergie), saṁvit (die Wissensenergie) und hlādinī (die Freudenenergie) genannt. Sobald sich diese drei Energien in einer Person manifestieren, wird er Guru.

Für den Eingeweihten ist es notwendig, sich dem spirituellen Meister unterzuordnen und ihm zu dienen. Ein unabhängiger Schüler leidet, wohingegen ein hingegebener Schüler die Gnade Gottes erfährt.

dīkṣā-kāle bhakta kare ātma-samarpaṇa
sei kāle kṛṣṇa tāre kare ātma-sama
sei deha kare tāra cid-ānanda-maya
aprākṛta-dehe tāṅra caraṇa bhajaya
Caitanya-Caritāmṛta (Antya-Līlā
4.192-193)

 Zur Zeit der Einweihung, sofern sich der Schüler seinem Guru vollständig ergibt und sich in Kṛṣṇas Dienst beschäftigt, nimmt Kṛṣṇa ihn als so gut wie sich selbst an. Wenn der Körper dieses Gottgeweihten dadurch spirituell wird, bringt er mit diesem transzendentalen Körper den Lotusfüßen des Herrn Dienst dar.

Kṛṣṇa nimmt einen Schüler an, der sich einem echten Guru ergibt, und segnet ihn mit der Kraft, die notwendig ist, seine spirituelle Praxis zu vervollkommnen.

In Dvāpara-Yuga zeigte Kṛṣṇa, als Er im āśrama Seines Lehrers Sāndīpani Muni wohnte, an Seinem eigenen Beispiel, wie ein wahrer Schüler seinem Guru dient. Auch Śrī Rāmacandra demonstrierte vorbildlichen Dienst zu Seinem spirituellen Meister. Während Seiner Regierungszeit blieb Er immer unter der Führung Seines Gurus Vasiṣṭha Ṛṣi.

Die Schriften beschreiben, dass ein autorisierter Guru selbst Schüler in einer der vier Vaiṣṇava-Schülernach­folgen sein muss. Bhaktivinoda Ṭhākura nennt einen solchen Guru einen Überbringer von āmnāya, dem reinen Wissen der Schriften. Wer sich einem solchen authentischen Guru ergibt, empfängt von ihm Wissen aus den Schriften, zusammen mit seiner eigenen spirituellen Identität und der Neigung, der Höchsten Seele zu dienen. Zudem wird der aufrichtige Schüler von den Objekten māyās, der Illusion, losgelöst.
.

Vaidhī-Mārga-Guru und Rāga-Mārga-Guru

Für gewöhnlich gibt es zwei Arten von Gurus: die Gurus des vaidhīmārgas, des hingebungsvollen Dienstes nach Regeln und Regulierungen der Schriften, und diejenigen des rāga-mārgas, des Pfades spontaner liebevoller Anziehung zur Höchsten Person. Ein Schüler, der diszipliniert den Regeln und Regulierungen der Schriften folgt, kann nach und nach spirituelle Verwirklichung erlangen. Ein aufrichtiger Schüler eines rāgamārga-Gurus jedoch, der ein Gefährte Kṛṣṇas in Vraja ist, kann schnell dieselbe unvergleichliche Liebe zu Kṛṣṇa, die sein erhabener Guru besitzt, erfahren. Die starke Begierde, Kṛṣṇa unter der Führung eines Vrajavāsīs, eines Einwohners Vrajas, zu dienen, ist eine Manifestation der Göttlichen Energie selbst. Diese spirituelle Neigung wird im Herzen desjenigen erwachen, der sich einem rāgamārga-Guru ergibt. Caitanya Mahāprabhu übertrug die Verantwortung, rāgamārgabhakti zu predigen, Svarūpa Dāmodara, Gadādhara Paṇḍita, Rāya Rāmānanda, den Gosvāmīs und anderen Ihm nahestehenden Gefährten. Die rāgamārga Gurus sind unter den reinen Seelen in der Schülernachfolge Śrī Caitanya Mahāprabhus anzutreffen. Einen solchen Guru kann man nicht finden, indem man nach ihm sucht. Vielmehr werden die Suchenden, in denen die schlummernde Neigung, Gott zu dienen, zu erwachen beginnt, von selbst von der spirituellen Kraft eines solchen rāgamārga-Gurus angezogen.

Unser geliebter Śrīla Gurudeva, nitya-līlā praviṣṭa oṁ viṣṇupāda paramārādhyatama Bhakta-Bāndhava Śrī Śrīmad Bhaktivedānta Nārāyaṇa Gosvāmī Mahārāja, ist ein vrajavāsīrāgamārga-Guru höchsten Ranges. Es ist für eine bedingte Seele nicht möglich, seinen wahren Ruhm zu beschreiben. „Na deva devam arcayet ‒ Nur eine transzendentale Person kann die Natur einer anderen transzendentalen Persönlichkeit verstehen.“ Jemand, der denkt, dass er alles weiß, weiß im Grunde nichts. Wir verstehen den Ruhm Śrī Gurus anhand der Beispiele aus seinem Leben, aus seinen Lehren und aus den Worten befreiter Seelen, die mit ihm Gemeinschaft pflegten.
.

Wertschätzung der Schüler Śrīla Prabhupāda Sarasvatī Ṭhākuras

Viele reine Schüler Śrīla Bhaktisiddhānta Sarasvatī Ṭhākura Prabhupādas verbrachten Zeit mit Śrīla Gurudeva in Mathurā. Śrīla Gurudeva erfreute sie mit seinem aufmerksamen Dienst und seinem harikathā. Akiñcana Kṛṣṇadāsa Bābājī Mahārāja, ein entsagter Vaiṣṇava und berühmter kīrtanīyā, der immer in innerer Stimmung vertieft war, blieb jedes Jahr für zwei bis vier Wochen bei Śrīla Gurudeva in Mathurā. Er sprach zu den brahmacārīs, die mit Gurudeva lebten: „Mahārāja ist ein mahā-bhāgavata und vraja-premī. Eine solche Persönlichkeit ist sehr selten zu finden, ihr könnt euch überaus glücklich schätzen, dass er euch Zuflucht, Zuneigung und einzigartiges harikathā zuteilwerden lässt. Solange ihr nicht zu ihm betet und völliges Vertrauen in ihn habt, wird es euch nicht möglich sein, seinen spirituellen Dienst zu verstehen.“

Kṛṣṇadāsa Bābājī Mahārāja ging mit Śrīla Gurudeva zu vertraulichen Treffpunkten Śrī Śrī Rādhā-Kṛṣṇas. Er zeigte Gurudeva Plätze wie Bhajna Ṣilā, Rati-Keli Kuñja, Nayana Sarovara und andere besondere Schauplätze der Spiele in Kāmyavana.

Zu jener Zeit gab Śrīla Gurudeva keine Einweihungen in die dīkṣā-Mantras oder harināma. Dennoch kamen Hunderte vrajavāsīs, bhaktas und andere begierig und vertrauensvoll, um ihn zu treffen. Unsere paramparā ist eine parakīya-Schülernachfolge. Um eine Beziehung mit einer solchen Persönlichkeit einzugehen, bedarf es keiner pāñcarātrikadīkṣā, keiner formellen Einweihung. Der premībhakta zieht die Lebewesen an und verbindet sie durch seine unvergleichliche Liebe mit Bhagavān.

Śrīla Bhaktivedānta Svāmī Mahārāja verbrachte, bevor er sannyāsa annahm, viele Monate mit Śrīla Gurudeva in Mathurā. Nach seiner sannyāsa-Annahme lud Śrīla Svāmī Mahārāja Gurudeva ein, ihn im Rādhā-Dāmodara-Tempel und später im Kṛṣṇa-Balarāma-Tempel zu treffen. Sie tauschten hari-kathā aus wie einst Rūpa und Sanātana Gosvāmī.

Śrīla Bhaktihṛdaya Bon Mahārāja lud gelegentlich Śrīla Gurudeva in seinen āśrama in Vṛndāvana ein, und manchmal kam er nach Mathurā, um Gurudeva dort zu treffen. Śrīla Bon Mahārāja ehrte Śrīla Gurudeva sehr, obwohl Gurudeva ein Schüler seines Gottbruders war. Er schätzte Gurudeva, weil er seine dienende Haltung erkannte, die mit vraja-anurāga, der reinen Liebe der Vrajavāsīs, erfüllt war.

Śrīla Bhaktidayita Mādhava Mahārāja hörte Śrīla Gurudevas harikathā mit Begierde. Er lud Śrīla Gurudeva für Feste wie das Jhulan-Yātrā und die Vyāsa-Pūjā in seinen Vṛndāvana-Tempel ein und kam auch zu verschiedenen Anlässen nach Mathurā, um sich mit Gurudeva zu treffen. Er sagte zu Gurudeva: „Du hast Zuflucht bei einem sad-guru gesucht und bist ein vollkommener guru-sevaka: deshalb bist auch du ein sadguru. Ein gurusevaka zu sein, ist kein Leichtes. Ein echter Diener des Gurus besitzt selbst alle Eigenschaften und Kräfte seines spirituellen Meisters. Daher haben sich alle spirituelle Wahrheiten und alle spirituelle Kraft in dir offenbart.“

Śrīla Bhaktijīvana Janārdana Mahārāja pflegte den Kārttika-Monat mit Śrīla Gurudeva zu begehen und besuchte auch den Navadvīpa-Parikramā der Gauḍīya Vedānta Samīti. Zudem verbrachte er manchmal mehrere Monate mit Śrīla Gurudeva in Mathurā. Er war glücklich, Śrīla Gurudevas Hingabe zum bhajana und seine Vorliebe für Śrīmatī Rādhikā zu sehen, und sie unterhielten sich oft für Stunden über subtile bhakti-Themen. Er warnte seine Schüler wie auch Śrīla Gurudevas Nachfolger: „Es ist selten, einem solchen vraja-premī zu begegnen. Haltet ihn nicht für eine gewöhnliche Person, das würde euch sehr schaden, denn ihr würdet etwas Kostbares verlieren.“

Śrīla Bhaktyāloka Paramahaṁsa Mahārāja, ein anderer fortgeschrittener Schüler Śrīla Sarasvatī Prabhupādas, kam des Öfteren nach Mathurā und hörte mit gespannter Aufmerksamkeit Śrīla Gurudevas Vorträge über rāsa-Themen.

Śrīla Bhaktibhūdeva Śrauti Mahārāja, ein weiterer hochangesehener und gelehrter Schüler Prabhupāda Sarasvatī Ṭhākuras, der eine enge Beziehung zu Śrīla Bhaktiprajñāna Keśava Gosvāmī Mahārāja und Śrīla Gurudeva pflegte, verbrachte ebenfalls viel Zeit in Mathurā. Einmal wandte er sich an Śrīla Gurudeva: „Jemand, der keine anurāga besitzt, kann sich nicht in Bhagavāns Namen vertiefen. Die Namen Gottes zu chanten, ist für jemanden ohne Liebe mühsam. Anurāgis dagegen kosten die Namen Gottes und wiederholen Sie immer wieder, so wie ein Liebhaber den Namen seiner Geliebten ruft. Du kannst dich glücklich schätzen, denn du bist ein anurāgi, und auch diejenigen, die mit dir leben, sind vom Glück begünstigt. Dank deiner vraja-bhakti hört man hier unablässig harināma-saṅkīrtana.“

Śrīla Bhaktivicāra Yāyāvara Mahārāja schätzte ebenfalls Śrīla Gurudeva und genoss seine Gesellschaft. Er pries Gurudeva: „Du ziehst viele Seelen durch die Kraft deines Dienstes und deines Vertrauens in deinen Guru an. Du bist ein Leuchtturm für diejenigen, die sich reine Liebe wünschen. Es bereitet mir große Freude, Zeit mit dir zu verbringen.“

Śrīla Bhaktivikāsa Hṛṣīkeśa Mahārāja und Śrīla Bhaktikumuda Śānta Mahārāja, beide begnadete kīrtanīyās, liebten es, vraja-kīrtanas mit Śrīla Gurudeva zu singen. Śrīla Bhaktivikāsa Hṛṣīkeśa Mahārāja sagte zu Gurudeva: „Wenn ich bei dir bin, fühle ich mich wie in einer rasa-Oase. Andere Orte sind wie Wüsten.“ Manchmal sang Śrīla Bhaktikumuda Śānta Mahārāja: „ohe nīla yamunāra jala ‒ Ich tauche in die blauen Fluten der Yamunā“. Er pflegte zu Gurudeva zu sagen: „Ich bin von deinen blauen Augen bezaubert. Sie strahlen so viel prema aus.“

Śrīla Bhaktigaurava Vaikhānasa Mahārāja, Śrīla Bhaktiprakāśa Araṇya Mahārāja und Śrīla Bhaktivilāsa Tīrtha Mahārāja erwiesen Śrīla Gurudeva Ehre und waren begierig, hari-kathā von ihm zu hören. Sie baten ihn: „Du bist mit den inneren Stimmungen und der Philosophie unserer Gosvāmīs vertraut. Die Gosvāmīs verfassten viele Schriften, bitte übersetze und erläutere sie. Dies wird für die Welt segensreich sein.“

Auf diese Weise achteten viele der führenden Schüler Śrīla Prabhupāda Sarasvatī Ṭhākuras und ācāryas der Gauḍīya-Sampradāya Śrīla Gurudeva und verbrachten gern Zeit in seiner Gesellschaft. Śrīla Gurudeva diente den Schülern Śrīla Prabhupādas und erfreute sie durch seine reine rāga-bhakti. Angezogen von seiner Reinheit, seiner dienenden Haltung und seiner Liebe, kamen sie, um sich mit ihm zu treffen.
.

Wie man eine Beziehung zu Śrī Guru herstellt

Die spirituelle Beziehung des Schülers zum Sri Guru entwickelt sich durch den Dienst am Guru. Der wichtigste Dienst zum Guru besteht darin, seinen Anweisungen folgend harināma und die vom Guru gegebenen Mantras zu chanten.

Śrīla Gurudeva glorifizierte das mahā-mantra und wies uns an, wie man es chantet. Er erklärte: „An vielen Stellen in den Vedischen Schriften wird die Einzigartigkeit des mahā-mantras hervorgehoben. Das mahā-mantra besteht aus drei Worten im Vokativ (Anredefall): hare, kṛṣṇa und rāma. Das Brahmāṇḍa Purāṇa erläutert diese Namen des Herrn wie folgt: Bhagavān ist die Verkörperung der ewigen Existenz, des höchsten Bewusstseins und des transzendentalen Glücks. Er heißt hari, weil Er die Unwissenheit der Lebewesen fortnimmt. Kṛṣṇa bezieht sich auf die allanziehende Eigenschaft des Herrn. Und aufgrund Seines unaufhörlichen Vertieftseins in die liebevollen Spiele mit Śrīmatī Rādhikā ist Er als Rāma (der Genießer) bekannt.

Die śruti-śāstra erklärt das mahā-mantra auf diese Weise: „Śrīmatī Rādhikā ist Kṛṣṇas Freudenkraft. Hare (die Anredeform von harā) bezieht sich auf Śrīmatī Rādhikā, weil Sie Kṛṣṇas Geist bezaubert und stiehlt. Der hinreißende Klang von Kṛṣṇas Flöte verursacht, dass die Vrajadevīs ihre natürliche Schüchternheit, ihr weltliches dharma, ihre Selbstbeherrschung und ihren Stolz aufgeben und aus ihren Häusern in den Wald laufen, um sich mit Ihm zu treffen. Deswegen ist er als kṛṣṇa, der Allanziehende, bekannt. Die unübertreffliche Schönheit Seiner Form überwältigt die Vrajadevīs und taucht sie in ein Meer stets anwachsender Freude, und deshalb ist Er auch als rāma berühmt.

Śrīla Gurudeva sagte: „Beim Chanten des mahā-mantras sollt ihr zu Rādhā-Kṛṣṇa beten, dass Sie euren rastlosen Geist einfangen und euch befähigen, Ihnen in Ihrem göttlichen Spiel zu dienen. Beschäftigt euren Körper und euren Geist damit, immer dieses mahā-mantra zu chanten ‒ während ihr sitzt, geht, arbeitet oder andere Dinge tut. Dann werden Rādhā-Kṛṣṇa euch in Ihr Reich holen.“

Zusammen mit der harināma-Einweihung gibt Śrī Guru die guru-mantras. In diesen guru-mantras ist die spirituelle Form des Gurus und sein Dienst zu Kṛṣṇa verborgen. Sobald man das guru-mantra richtig, mit konzentriertem Geist, chantet, wird sich die spirituelle Beziehung zu Śrī Guru entfalten und man wird seine eigene spirituelle Form wie auch die des Gurus verwirklichen. Das Annehmen eines Gurus ist erst dann fruchtvoll, wenn die spirituelle Beziehung mit ihm verwirklicht wird und man Rādhā-Kṛṣṇa und der Führung des Gurus in der transzendentalen Welt dient. Dies ist der ganze Sinn und Zweck des Annehmens der harināma-Einweihung und des guru-mantras vom spirituellen Meister. Der Guru erfreut Kṛṣṇa durch spirituelle Dienste. Deswegen sollte man unter Führung von guru-sakhī, Śrīmatī Rādhikā und den Sakhīs und Mañjarīs den Vorgang dieses spirituellen Dienstes erlernen. Man sollte jeden Tag wie folgt zu Śrīla Gurudeva beten:

rādhāsammukhasaṁsaktiṁ sakhīsaṅganivāsinīm
tvām
ahaṁ satatam vande mādhavāśrayavigrahām

Mein spiritueller Meister, ich bringe dir unablässig meine achtungsvollen Ehrerbietungen dar. Dein Platz ist stets bei Śrīmatī Rādhārāṇī, der du vollständig ergeben bist. Du weilst ewiglich im Kreise Ihrer Vertrauten, der gopīs, und du bist das Inbild liebender Hingabe zu Kṛṣṇa.

Jedem Mantra steht eine bestimmte Gottheit, ein devatā, vor. All diese devatās schließen Śrī Guru durch seinen liebenden Dienst in sein Herz. Indem man Śrī Guru erfreut, erfreut man auch die devatās der Mantras. Mahāprabhu kam mit dem Pañca-Tattva und Seinen Gefährten in diese Welt, um Zugang zum unnata-ujjvala-rasa zu ermöglichen, der höchsten und strahlenden Stimmung amouröser Liebe. Indem uns Guru-Pādapadma in den harināmamahā-mantra und die gurumantras einweiht, gibt er uns die Möglichkeit, diese höchste Bestimmung zu erreichen. Ohne die Zuflucht eines Gurus in der Rūpānuga-Nachfolge kann niemand das Reich göttlicher Liebe betreten.

In der Schrift Rādhā-Tantra bittet ein bhakta die Göttin Tripuradevī, ihm zu erklären, in welcher Reihenfolge man das mahā-mantra chantet. Die Göttin antwortet darauf:

hare kṛṣṇa hare kṛṣṇa kṛṣṇa kṛṣṇa hare hare
hare rāma hare rāma rāma rāma hare hare

 Weiter sagt sie: „Dieses mahā-mantra, das alles Glück schenkt, besteht aus sechzehn Namen und zweiunddreißig Silben. Um die Vollkommenheit in diesem Mantra zu erreichen, muss man es zu Beginn von einem echten spirituellen Meister empfangen. Falls man das gopālamantra von Śrī Guru vor dem mahā-mantra hört, wird das Chanten des gopāla-mantras keine Früchte zeitigen. Unabhängig von ihrer Herkunft sollten alle Menschen zuerst das mahā-mantra von Śrī Guru empfangen und dann in das gopālamantra (bzw. die gāyatrīmantras) eingeweiht werden.“
.

Schlussfolgerung

Durch das Lesen dieses Buches wird man ein Verständnis über die Eigenschaften eines echten Gurus erlangen und Vertrauen und der Wunsch, einen reinen Guru zu finden, wird im Herzen erwachen. Einen reinen Guru bekommt man auf zweierlei Weise: (1) durch die Barmherzigkeit Gottes und (2) durch die Barmherzigkeit der Schriften. Dieses Buch beleuchtet die Natur und die besonderen Eigenschaften Śrīla Gurudevas: wie er seinem spirituellen Meister, der gesamten guru-varga, den Schriften, den Gefährten Bhagavāns, dem Reich des Herrn und Bhagavān selbst diente.

Über die Herrlichkeit Śrī Gurus zu hören, wird Kṛṣṇa erfreuen und uns befähigen, den bhakti-Vorgang zu beginnen. Es ist deshalb notwendig, die außergewöhnliche Größe Śrīla Gurudevas zu kennen. Indem wir über sein Leben und seine Lehren hören oder lesen, können wir seine einzigartige Stellung verstehen. Wären uns die Geschehnisse aus seinem Leben nicht zugänglich, wie würden wir über sie erfahren? Wir sind deshalb vom Glück begünstigt, das sich dieses Buch, Śrī Guru-Darśana, durch Śrīla Gurudevas Inspiration und Barmherzigkeit manifestiert hat. Die Wahrheit über Śrī Guru kann sich nur durch seine Gnade offenbaren, so wie sich auch die Wahrheit über die Vaiṣṇavas nur dank deren Gnade und die Wahrheit über Bhagavān nur dank Seiner Gnade entfaltet. Śrīla Gurudeva erschien in dieser Welt und ist auch jetzt noch gegenwärtig, um den Gottgeweihten jederzeit und in jeder Hinsicht zu helfen. Sobald jemand, der über Śrīla Gurudeva schreibt, denkt: „Dies ist ein Produkt meiner eigenen Arbeit“, begeht er ein Vergehen. So wie niemand in der Lage ist, uns die Sonne in der Nacht zu zeigen, so hat niemand die Kraft, die Wahrheit über Śrī Guru zu beleuchten. Śrī Guru manifestiert sich selbst. Der Eigentümer dieses Buches ist daher nur Śrī Guru-Pādapadma.
.

Selbst Darśana aus der Ferne erweckt Kṛṣṇa-Prema

Vor fünfhundert Jahren erschienen Śrī Caitanya Mahāprabhu und Seine Gefährten in dieser Welt und brachten die Liebe der Vrajavāsīs mit sich. Kṛṣṇadāsa Kavirāja Gosvāmī schreibt:

emana kṛpālu nāhi śuni tribhuvane
kṛṣṇa
prema haya jāra dura daraśane

Es gibt niemanden in den drei Welten, der barmherziger ist als Mahāprabhu. Selbst wer Ihn nur aus der Ferne gewahrt, erlangt reine Liebe zu Gott.

Diese Liebe wurde frei verteilt und erreichte sogar diejenigen, die ihr weit fern waren. Die Gefährten Mahāprabhus verkündeten offen die Herrlichkeiten dieser prema, und diejenigen, die das Glück hatten, ihren Ruhm zu vernehmen, gaben die Botschaft weiter. Diese Botschaft wird in der Schülernachfolge der reinen Geweihten Mahāprabhus bewahrt. Somit ist das unvergleichliche Juwel der vrajaprema bis heute für jeden zugänglich, direkt oder indirekt berührt diese Liebe weiterhin die Herzen der bedingten Seelen. Śrīla Guru-Pādapadma ist einer der Botschafter Caitanya Mahāprabhus. Er bereiste die Welt nur zu dem Zweck, vraja-prema zu verbreiten.

In einem Dorf in Kalifornien gründete Śrīla Gurudeva die New Braja-Gemeinde und hielt dort jährlich ein harikathā-Festival ab, dass die Herzen all der vom Glück begünstigten Seelen, die dort anwesend waren, für immer veränderte.

Eine Seele dort, die außergewöhnlich viele Segnungen von Śrīla Gurudeva empfing, war die Mutter Śrīmatī Nilācala Devis und Schwiegermutter Śrīman Nirguṇa Prabhus, Frau Joyce Mann, die Śrī Hari, Guru und den Vaiṣṇavas einzigartigen Dienst dargebracht hatte. Während der Zeit Śrīla Bhaktivedānta Svāmī Mahārājas gab sie durch ihre Tochter und ihren Schwiegersohn viele Spenden für seine Mission. Sie war gütig, offen und religiösen Menschen gegenüber immer respektvoll, vor allem den Geweihten Rādhā-Kṛṣṇas gegenüber. Dank ihrer alleinigen Spende wurde das Land in Badger gekauft, das man später tīrtha, einen heiligen Ort, nannte, weil Śrīla Gurudeva dort jährlich Zeit verbrachte und hari-kathā sprach. Für mehr als vierzehn Jahre trug sie zudem durch großzügigen Spenden zum Erhalt und der Vorbereitung des New Braja-Festivals bei. Sie freute sich immer, Gottgeweihten zu begegnen.

In 1999 hatte sie das Glück, Śrīla Gurudeva in New Braj zu treffen. Damals versicherte Śrīla Gurudeva ihr: „Als Mutter von Nirguṇa und Nilācala achte ich Sie wie meine eigene Mutter.“

Dann fragte Śrīla Gurudeva: „Werden Sie für meinen Vortrag und zum mahāprasāda hierbleiben?“

Sie antwortete: „Ich würde gerne bleiben, aber ich muss nach Hause, um meinen Fisch und meine Katze zu füttern.“

Sie empfing Segnungen und mahā-prasāda von Śrīla Gurudeva und kehrte nach Hause zurück. Der Segen eines mahābhāgavatas ist jedoch enorm mächtig. Wenn eine aufrichtige Seele solche Segnungen erhält, ist das Ergebnis wunderbar.

Śrīla Gurudeva sah ihr gütiges Herz und gab ihr insgeheim die Segnung, dass sie, genauso wie sie für ihre Tiere und ihre Familie sorgte, durch ihre Großzügigkeit vielen ehrlichen Seelen auf der Welt spirituelle Nahrung und Glück spenden würde. Für den Rest ihres Lebens fuhr sie fort damit, großzügig und offenherzig für Feste und vaiṣṇavasevā zu spenden. Bald nachdem Śrīla Gurudeva unserer Sicht entschwand, verschied auch sie aus dieser Welt. Ein prächtiges Fest und eine śrāddha-Zeremonie wurde ihr zu Ehren in Śrī Jagannātha Purī Dhāma ausgerichtet, demselben Ort, an dem auch Śrīla Gurudeva sich ins nityalīlā begeben hatte. Sādhus, brahmacārīs, sannyāsīs aus vielen Gauḍīya-Maṭhas wie auch ansässige brāhmaṇas wurden eingeladen. Cauṣaṭṭi-Mahānta, Aṣṭa-Kavirāja und Dvadaśa-Gopāla wurden verehrt und alle Gäste mit Jagannāthas mahāprasāda bewirtet. Die Vaiṣṇavas, die an diesem unvergesslichen Fest teilnahmen, waren hocherfreut und ließen ihre Segnungen auf sie herabregnen. Ohne Zweifel erlangte sie Eintritt in Vraja-Dhāma.

Bevor dieses Buch veröffentlicht wurde, fragten sich die Gottgeweihten, wo sie die Mittel für den Druck herbekommen sollten. Eines nachts erschien Frau Joyce einem brahmacārī im Traum und sagte: „Seid unbesorgt, ich werde das Notwendige bereitstellen, um dieses Buch zu drucken. Ich möchte für diesen Zweck spenden, ich möchte diesen Dienst tun.“

Am nächsten Tag fühlten sich Śrīman Nirguṇa Prabhu und Śrīmatī Nilācala Devī veranlasst, die gesamten Kosten für den Druck dieser Ausgabe Śrī Guru Darśanas zu spenden. Aus diesem Grund beten wir zu Śrīla Gurudeva und zu Śrī Śrī Rādhā-Kṛṣṇa, dass Sie die Frau Joyce Mann segnen mögen, weiterhin in der Nähe unserer Familie Mahāprabhus zu bleiben und ihren großherzigen Dienst weiterzuführen. Wir beten auch zu ihr um ihren Segen, dass unser Herz so gütig werden mag wie ihres. Auf diese Weise werden auch wir Dienst darbringen und Śrī Hari, Guru und die Vaiṣṇavas zufriedenstellen können.

< Zurück    Vorwärts >