Grün­dung der Śrī Keśa­vajī Gauḍīya Maṭha

Im Früh­jahr 1954 rief Śrīla Bhak­ti­pra­jñāna Keśava Gos­vāmī Mahārāja Śrīla Bhak­ti­ve­dānta Vāmana Mahārāja zu sich und trug ihm auf: „Du hast lange Zeit hier im Tempel gelebt, den Vaiṣṇavas gedient und mir auf vie­lerlei Weise assi­stiert. Jetzt ist es an der Zeit für dich, eigen­ständig zu reisen und zu pre­digen.“

Erstaunt bat Śrīla Vāmana Mahārāja: „Bitte ver­wehre mir nicht deine barm­her­zige Gemein­schaft. Und wenn ich fort bin, wer bleibt dann bei dir?“

Mach dir keine Sorgen um mich. Bha­gavān erhält jeden, Er wird viele neue Gott­ge­weihte schicken. Du aber musst reisen und pre­digen.“

Ich bin ein Dumm­kopf. Ich weiß nicht, wie man hari-kathā spricht oder melo­disch singt. Wie werde ich pre­digen?“

Bete zur guru-varga, unseren spi­ri­tu­ellen Mei­stern und folge ihrer Inspi­ra­tion.“

Wenn ich her­um­reise, werde ich dich lange Zeit nicht sehen können.“

Trotzdem musst du es tun“, bestand Ācārya Kesarī auf seiner Anwei­sung und been­dete das Gespräch.

Schweren Her­zens befolgte Śrīla Vāmana Mahārāja die Anwei­sung seines spi­ri­tu­ellen Mei­sters und begann im Norden Ben­ga­lens zu pre­digen.

Als näch­stes rief Ācārya Kesarī Śrīla Tri­vi­krama Mahārāja zu sich und schickte ihn in die Uddhāraṇa Gauḍīya Maṭha nach Chuṅchurā, um sich um den Tempel zu küm­mern und dort zu pre­digen. Śrīla Tri­vi­krama Mahārāja hatte eine raue Schale, aber ein wei­ches Herz. Er wandte nichts ein, als Ācārya Kesarī ihn anwies, getrennt von ihm zu pre­digen. Neu­tral wie Śuka­deva Gos­vāmī reiste er nach Chuṅchurā ab. Er blieb jeden Monat nur für einige Tage im Tempel und wid­mete sich den Rest der Zeit mis­sio­na­ri­schen Tätig­keiten, begleitet von Raṅga Bābā, der mṛdāṅga spielte, und Hari-Sadana Prabhu. Von der Uddhāraṇa Gauḍīya Maṭha aus orga­ni­sierte Śrīla Tri­vi­krama Mahārāja Pro­gramme in Kolkata, Hoogli, Arambad und den Dör­fern des Barddhamān-Distrikts. Wohl­ha­bende und ein­fluss­reiche Leute waren von seinem reinen Cha­rakter und seinem hari-kathā ange­zogen.

Im Winter 1954, nach Ende des Vraja-Maṇḍala-Parikramās, blieb Ācārya Kesarī mit Sanātana Prabhu, Śrīla Guru­deva und anderen Schü­lern für eine Weile in Mathurā und suchte nach einem Grund­stück, auf dem er eine Zweig­stelle der Gauḍīya Vedānta Samiti gründen konnte, um die Bot­schaft Śrī Cai­tanya Mahāprabhus in Nord­in­dien zu ver­breiten. Für sieben Tage suchten Ācārya Kesarī und seine Gefolg­schaft nach einer geeig­neten Ört­lich­keit. Am siebten Tag besich­tigten sie ein zum Ver­kauf ste­hendes altes Gebäude, das als Garībdas Dhar­maśālā bekannt war, eine gün­stige Her­berge für Pilger, die die hei­ligen Plätze besuchten. Es befand sich süd­lich der berühmten Ring­arena Kaṁsas und gegen­über dem staat­li­chen Kran­ken­haus Mathurās. Das Gebäude war ver­fallen, aber die Lage her­vor­ra­gend: nahe dem Holi Gate, der Impe­rial Bank, der State Bank of India, der Haupt­post, dem staat­li­chen Bus­bahnhof und dem zen­tralen Markt. Es besaß 36 Zimmer und eine aus mas­siven Zie­geln und Steinen gemau­erte Halle. Die Gruppe sprach mit den Besit­zern der dhar­maśālā, Mādana und Jaghana, aber da Ācārya Kesarī nicht genü­gend Geld zur Ver­fü­gung stand, kehrte er mit seinem Gefolge ohne große Hoff­nung auf einen Kauf in ihre Unter­kunft zurück.

Am näch­sten Morgen schickte Ācārya Kesarī sich an, die nächste Immo­bilie zu besich­tigen, aber Śrīla Sanātana Prabhu erklärte: „Ich bin heute müde. Ich mag das Haus, das wir gestern gesehen haben. Ich will keine anderen Plätze mehr anschauen.“

Es ist nicht mög­lich für uns, soviel Geld zusam­men­zu­be­kommen“, wandte Ācārya Kesarī ein. „Sie wollen 30.000 Rupien. Wir würden eine große Anzah­lung geben müssen, und dafür habe ich nicht genug.“

Śrīla Sanātana Prabhu grinste und begann an seinem Gürtel her­um­zu­ne­steln. Dann zog er ein Bündel Geld­scheine heraus und reichte sie Ācārya Kesarī.

Das sind 7.000 Rupien“, sagte er.

Alle starrten Sanātana Prabhu ungläubig an.

Ich kenne deinen Wunsch schon länger“, erklärte Sanātana Prabhu. „Des­halb laufe ich schon seit Wochen mit diesem Geld um den Bauch herum. Ich bin es leid, noch weiter nach Häu­sern zu schauen. Bitte kaufe die dhar­maśālā, die wir gestern gesehen haben.“

Wir brau­chen min­de­stens 12.000 Rupien Anzah­lung, um das Haus schrift­lich auf uns zu über­tragen“, sagte Ācārya Kesarī.

Dar­aufhin sandte Sanātana Prabhu ein Tele­gramm an seinen Sohn Nārāyaṇa Dāsa, den Rest der Anzah­lung zu über­weisen. Ācārya Kesarī war niṣkiñcana-akiñcana, frei von mate­ri­ellen Besitz­tü­mern und Anhaf­tungen. Wann immer er einen neuen Zweig der Vedānta Samīti eröff­nete, wurde dieser auf einen seiner Gott­brüder über­schrieben. Als er den neuen Mathurā-Tempel bei den Behörden ein­trug, geschah dies auf den Namen Śrīpāda Nara­siṁha Mahārājas, den Onkel Śrīla Vāmana Mahārājas. Er benannte ihn nach dem berühmten Kṛṣṇa-Keśavajī-Tempel in Mathurā, Śrī Keśa­vajī Gauḍīya Maṭha.

Ācārya Kesarī eröff­nete die Keśa­vajī Gauḍīya Maṭha am Ver­schei­dungstag Śrīla Bhak­tis­id­dhānta Saras­vatī Prab­hupādas, am 16. Dezember 1954. Er blieb für einige Wochen dort und schickte sich dann an, zum Pre­digen wei­ter­zu­reisen. Er rief Śrīla Guru­deva zu sich in seinen Raum und sagte zu ihm: „Es war Bha­ga­vāns Wunsch, dass wir jetzt diesen Platz in Mathurā besitzen. Du musst hier­bleiben und die Ver­ant­wor­tung für den Tempel über­nehmen. Von hier aus kannst du reisen und in Nord­in­dien pre­digen.“

Als Guru­deva dies hörte, war ihm, als traf ihn ein Blitz. Er wollte Ācārya Kesarī nicht für einen Moment ver­lassen, aber er war gezwungen, seiner Anwei­sung zu folgen.

Wer wird bei dir bleiben?“, fragte Śrīla Guru­deva.

Ich brauche nie­manden. Śrīla Prab­hupāda und die guru-varga sind bei mir, und viele neue junge Leute werden kommen. Kein Anlass zur Sorge.“

Kann ich noch ein paar Monate länger bei dir bleiben?“

Ācārya Kesarī wurde streng: „Du musst die meiste Zeit des Jahres hier in Mathurā sein.“

Auf­grund seiner tiefen Liebe und Zunei­gung zu seinem spi­ri­tu­ellen Mei­ster konnte Śrīla Guru­deva es nicht ertragen, auch nur für eine Minute von ihm getrennt zu sein. Trotzdem war er sich bewusst, dass er seiner Anwei­sung folgen musste. Er hielt ent­gegen: „Wenn du mich fort­schickst, wer wird mich beschützen, sobald ich schwach werde oder in Schwie­rig­keiten gerate?“

Solange du meinen Anwei­sungen folgst, kannst du dir sicher sein, dass ich immer bei dir bin. Sei unbe­sorgt. Du kannst zu mir kommen, wenn ich dich zu spe­zi­ellen Anlässen und Pil­ger­reisen rufe, und für Kārt­tika, den Navadvīpa-Parikramā, Vyāsa-Pūjā und Ratha-Yātrā.“

Was ist meine Auf­gabe hier?“, fragte Śrīla Guru­deva.

Erhalte die Maṭha. Lies die Schriften der Gos­vāmīs, ver­wirk­liche die Wahr­heiten darin und über­setze sie ins Hindi. Ver­öf­fent­liche eine monat­liche Zeit­schrift in Hindi und mache sie einer breiten Leser­schaft zugäng­lich. Śrīla Prab­hupādas Hindi-Zeitschrift hieß Bhāga­vata, so ihm fol­gend, nennen wir unsere Śrī Bhāga­vata Patrikā.

Wie soll ich die Maṭha erhalten?“ fragte Śrīla Guru­deva.

Sādhus sollen ihren Unter­halt bestreiten, indem sie Almosen erbet­teln“, ant­wor­tete Ācārya Kesarī.

In Mathurā sind die Leute sehr stolz“, wandte Guru­deva ein, „sie sind ihre eigenen Gurus. Warum würden sie uns etwas geben? Sie denken, sie sind selbst große spi­ri­tu­elle Lehrer und sollten Spenden emp­fangen.“

Keine Sorge,“ beru­higte ihn Ācārya Kesarī. „für den Dienst Bha­ga­vāns wird sich alles fügen. Falls du Geld benö­tigst, werde ich es dir schicken.“

So beru­higt, ver­schrieb sich Śrīla Guru­deva rück­haltlos der Anwei­sung Ācārya Kes­arīs. Den Unter­wei­sungen Śrī Gurus zu folgen, ist die wahre Bedeu­tung von sādhu-saṅga oder der Gemein­schaft mit hei­ligen Per­sön­lich­keiten. Aller­dings ist es eine Her­aus­for­de­rung für den Schüler, gemäß der Anwei­sung des Gurus aus der Ferne zu dienen. Denn wenn der Schüler reine Liebe und Zunei­gung zu seinem spi­ri­tu­ellen Mei­ster besitzt, wie kann er es dann ertragen, ihm fern zu sein? Selbst die Anzie­hung welt­li­cher Liebe ist nur sehr schwer zu über­winden, Geliebter und Geliebte wollen sich nicht für einen Augen­blick trennen. Um wie­viel schwie­riger ist es also für den Schüler, seinem Guru fern zu sein, wenn diese eine tran­szen­den­tale Bezie­hung ver­bindet.

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