Segen über das Land

Ācārya Kesarī pre­digte in den Städten und Dör­fern Indiens. Wo immer er und seine Begleiter hin­rei­sten, orga­ni­sierten sie Fest­ver­an­stal­tungen mit hari-kathā und mahā-prasāda. Die brah­macārīs gingen von Tür zu Tür und luden die Ansäs­sigen zum hari-kathā und mahā-prasādam ein. Sie sam­melten Spenden in Form von Gemüse und Getreide, kochten, opferten bhoga und ver­teilten dann das pras­ādam an jeden, der kam. Auf den Reisen waren die Gott­ge­weihten intensiv im Dienst beschäf­tigt. Sie arbei­teten hart, um Mahāprabhu zufrie­den­zu­stellen und die bedingten Seelen zu erheben. Solch stetes Bemühen im Dienst ist nur für die­je­nigen mög­lich, die von der guru-varga spi­ri­tuell ermäch­tigt sind.

In einem Dorf nahe Sid­dhāvāṭī befindet sich ein pāda-pīṭha, eine Gedenk­stätte zu Ehren Mahāprabhus, die dort von Śrīla Bhak­tis­id­dhānta Prab­hupāda errichtet worden war. Prab­hupāda hatte pāda-pīṭhas an den wich­tig­sten Orten ein­ge­richtet, die Mahāprabhu mit Seinen Fuß­ab­drücken geschmückt hatte, als Er durch Indien gereist war. Wann immer Prab­hupāda ein pāda-pīṭha eta­blierte, beschäf­tigte er die jewei­ligen Ein­wohner des Ortes im Dienst und über­trug ihnen die Ver­ant­wor­tung für das Hei­ligtum. Ācārya Kesarī reiste zu diesen pāda-pīṭhas, um sicher­zu­stellen, dass dieser Dienst richtig fort­ge­führt wurde, und um die Ansäs­sigen in ihrer bhakti-Praxis zu stärken.

Als Ācārya Kesarī und seine Begleiter zu dem pāda-pīṭha in der Nähe Sid­dhāvāṭīs kamen, waren sie erschrocken, zu sehen, dass der Ort zu einem Dorf ver­armter Lepra­kranker ver­kommen war. Den Leuten fehlten Finger und Zehen und in einigen Fällen auch ganze Glieder. Sie sahen ver­zwei­felt aus, als die von Ācārya Kesarī ange­lei­tete saṅkīr­tana-Pro­zes­sion durch das Dorf zog.

Was ist mit diesem Dorf pas­siert?“ fragte Guru­deva.

Vor einigen Jahren“, ant­wor­tete Ācārya Kesarī, „errich­tete Prab­hupāda hier auf gespen­detem Land den pāda-pīṭha. Die Ein­wohner aus den umlie­genden Dör­fern waren gläubig und wohl­tätig und brachten Geschenke und Gaben für Mahāprabhus Ver­eh­rung. Doch die Bewohner dieses Dorfes waren gierig und kor­rupt. Sie besetzten den pāda-pīṭha und stahlen die Spenden, die als Dar­brin­gung bestimmt waren, und auch die Blumen und Früchte, die hier wuchsen. Um sich den pāda-pīṭha voll­ständig anzu­eignen, ver­trieben die Bewohner die sādhus, die zum Dienen und zum bha­jana hier­her­kamen. Nach einiger Zeit erkrankten sie selbst an Fieber, Ruhr und anderen Krank­heiten. Schließ­lich verkam es zu einem Dorf von Lepra­kranken. Gopāla Cāpāla, der Hari­dāsa Ṭhākura belei­digte, verlor durch die gleiche Krank­heit seine Nase, Ohren, Augen und Finger. Später aber, durch die Gnade Mahāprabhus und Hari­dāsa Ṭhākuras, wurde ihm ver­ziehen und er wurde voll­ständig geheilt und Ver­trauen erwachte in seinem Herzen. Wir werden in ähn­li­cher Weise dafür sorgen, dass diese Leute von ihren Ver­gehen befreit werden und Ver­trauen in Mahāprabhu und harināma in ihnen erwacht.“

Die Gott­ge­weihten luden die Dorf­be­wohner zu einem Fest­mahl am Nach­mittag ein. Guru­deva und die brah­macārīs kochten kicari und kṣīra. Kicari, wel­ches geeignet ist, Mahāprabhu dar­ge­bracht zu werden, sollte so duften, dass es die Leute über Meilen hinweg anzieht. Tat­säch­lich rannten die Dorf­be­wohner zum Essen, als ob sie für viele Jahre gehun­gert hätten. Aber wie konnten sie ohne Finger essen? Um den Lepra­kranken zu helfen, besorgte Ācārya Kesarī Löffel. In einigen Fällen halfen Kranke, die gesunde Hände besaßen, den­je­nigen, die ihre Finger ver­loren hatten. Caraṇāmṛta und prasāda wurden an alle ver­teilt.

Ācārya Kesarī sprach zu den Dorf­be­woh­nern über den Ruhm Mahāprabhus und erklärte ihnen dann: „Eure bekla­gens­werte Lage wird sich bes­sern, wenn ihr auf­richtig betet und Mahāprabhu um Ver­ge­bung bittet. Etwas, das für Bha­ga­vāns Dienst bestimmt ist, darf nie­mals ver­un­treut und für den eigenen Genuss miss­braucht werden. Euer unsäg­li­ches Leid ist das unmit­tel­bare Ergebnis des Ver­ge­hens, das an diesem pāda-pīṭha Mahāprabhu Dar­ge­brachte an sich zu reißen. Wenn ihr davon frei werden wollt, müsst ihr bereuen und Buße tun. Miss­braucht nie wieder Dinge, die für Bha­ga­vāns Dienst bestimmt sind.“

Ācārya Kesarī blieb für einige Tage in dem Dorf und sprach hari-kathā. Die Ein­wohner waren von seiner Anwe­sen­heit und seiner Bot­schaft der Hoff­nung so inspi­riert, dass sie Land in Sid­dhāvāṭī stif­teten. Ācārya Kesarī nahm die Spende gütig an und rich­tete dort einen Tempel mit Bild­ge­stalten Śrī Śrī Gaura-Nityānanda Prabhus und Śrī Śrī Rādhā-Kṛṣṇas ein. Ācārya Kesarī ließ Tri­gun­ātita Brah­macārī und andere brah­macārīs zurück, um den Tempel zu leiten und das Pre­digen zu ent­wickeln. Bevor er abreiste, unter­wies er sie, unab­lässig nāma-saṅkīrtana zu chanten und so eine glück­brin­gende Atmo­sphäre in der Gegend zu erzeugen. Ein­wohner aus den benach­barten Dör­fern und Städten begannen den pāda-pīṭha wieder zu besu­chen. Nach einiger Zeit kam wieder ein steter Strom von Besu­chern zum dar­śana. Der Cha­rakter der lepra­kranken Dorf­be­wohner hatte sich gewan­delt. Sie hatten nicht länger den Wunsch, zu stehlen und gaben, was sie sich zu Unrecht ange­eignet hatten, wieder zurück. Viele wurden geheilt und ihre Glieder wie durch ein Wunder wie­der­her­ge­stellt. Andere gaben fried­lich ihren Körper auf. Ācārya Kesarī kam jedes Jahr dorthin, um ihr spi­ri­tu­elles Leben zu nähren und sie zu ermu­tigen, harināma zu chanten, zu lesen, zu hören und das Caitanya-Caritāmṛta, Caitanya-Bhāgavata und Caitanya-Maṅgala zu stu­dieren.

Tau­sende Men­schen kamen zu den Ver­an­stal­tungen, die Ācārya-Kesarī an ver­schie­denen Orten orga­ni­sierte. Manchmal schliefen die Leute wäh­rend des kīr­tanas ein und schlum­merten wäh­rend des Vor­trags weiter. Aber wenn es Zeit für pras­ādam war, wachten sie auf und setzten sich eifrig in Reihen nieder. Ācārya Kesarī beauf­tragte Guru­deva mit der prasāda-Ver­tei­lung und sagte: „Sie sind vom Glück begün­stigt, dass sie wenig­stens für eines der Dinge, die wir gebracht haben, Wert­schät­zung zeigen.“

Guru­deva gab jedem einen Teller aus Bana­nen­blät­tern und etwas Salz und Chili. Danach chan­tete er das prasāda-Gebet von Bhak­ti­vinoda Ṭhākura und ließ es jeden wie­der­holen. Er sang den pañca-tattva-mantra und den mahā-mantra, wäh­rend er durch die Reihen ging, und for­derte jeden auf, sie zu wie­der­holen. Nur nachdem jeder den mahā-mantra gechantet hatte, ver­teilte er kicari. Dann teilte er das Chutney auf die gleiche Weise aus.

Als näch­stes ver­teilte Śrīla Guru­deva Süßen Reis. Süßen Reis nennt man in Ben­galen mahā-prasāda. Reis, Dāl, Kicari – das ist prasāda. Aber Süßer Reis… das ist mahā-prasāda! Sie berei­teten den Süßen Reis zu, indem sie 100 Kilo­gramm Reis, 500 Kilo­gramm Gur, 1000 Liter Wasser und eine kleine Menge Milch kochten. Als der Süße Reis kam, rief Guru­deva laut: „bolo mahā-prasāda ki jaya!“ Dann chan­tete er und ließ alle nach ihm wie­der­holen:

mahā-prasāde govinde
nāma-brahmaṇi vaiṣṇave
svalpa-puṇyavatāṁ rājan
viśvāso naiva jāyate

Die Dorf­be­wohner schauten begierig auf die großen Kellen. Guru­deva kün­digte an: „Wer diesen Vers, ‚mahā-prasāde govinde‘ chantet, bekommt eine große Kelle mahā-prasāda.“ Nachdem jeder das Gebet auf­ge­sagt hatte, begann Kānāi Prabhu einen līlā-kīrtana zu singen. Er erzählte zwi­schen den Versen, wie Dur­vāsā Ṛṣi nach Dvārakā gekommen war und in der Mitte der Nacht kṣīra (Süßen Reis) ver­langte, diesen auf Kṛṣṇas Körper schmierte und den Herrn dann seg­nete, dass er überall dort, wo Ihn der kṣīra berührt hatte, unver­letz­lich sein würde. Die Dorf­be­wohner waren von dem kīr­tana gebannt. Sie dachten freudig: „Oh, das ist mahā-prasāda. Jetzt werden wir auch so stark werden wie Kṛṣṇa, der von Dur­vāsā Kraft bekommen hat.“

Manche Men­schen, auf­grund ihrer schlechten Gewohn­heiten oder ihrer bedingten Natur, können das hari-kathā oder andere Formen von Barm­her­zig­keit der mahā-bhāgavata-Vaiṣṇavas nicht ein­fach annehmen. Ācārya Kesarī pre­digte jedoch in sehr ein­fa­cher und anzie­hender Weise und wan­delte so die Herzen. Die mei­sten Bewohner der Küsten­dörfer aßen mit großer Vor­liebe Fisch. Ācārya Kesarī sprach dieses Thema oft nach­drück­lich an, und die Leute, die sein hari-kathā hörten, änderten ihre Ess­ge­wohn­heiten.

Manchmal im Winter orga­ni­sierte Ācārya Kesarī Pro­gramme in Prayāga. Guru­deva und die brah­macārīs brannten ein großes Feuer ab, setzten sich darum und sangen kīr­tana. Viele Leute sam­melten sich am warmen Feuer und hörten dem kīr­tana zu. Guru­deva sagte an: „Wir beginnen jetzt eine vedi­sches yajña (Opfer). Jeder ist will­kommen, daran teil­zu­nehmen und Bha­gavān Kar­tof­feln und Auber­ginen im yajña dar­zu­bringen. Das wird den Herrn erfreuen und Segen schenken. Es kann auch Holz gebracht werden, um das Opfer­feuer am Brennen zu halten.“

Viele brachten freudig Kar­tof­feln und Auber­ginen zum Feuer. Das Gemüse buk in der glim­menden Kohle und der kīr­tana fuhr fort. Anschlie­ßend staubten die brah­macārīs die Asche von dem Gemüse ab, schälten es, zer­stampften es und ver­mischten es mit Gewürzen. Sie brachten es dem Herrn dar und ver­teilten das prasāda an die anwe­senden Leute, die von rajo-guṇa (Lei­den­schaft) und tamo-guṇa (Unwis­sen­heit) beein­flusst waren. Jemand, der pras­ādam von hoch­klas­sigen Vaiṣṇavas annimmt, wird die Anhaf­tung an die mate­ri­elle Welt ver­lieren und einen höheren Geschmack für spi­ri­tu­elle Tätig­keiten ent­wickeln. Es ist nicht ein­fach, Men­schen zu ändern, die an Essen, Schlafen, Genießen und Streiten haften. Der spi­ri­tu­elle Mei­ster erhebt diese Leute langsam, indem er sie mit mahā-prasāda, Gov­inda, harināma und den Vaiṣṇavas in Kon­takt bringt.

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