Am ersten Tag des Navadvīpa‐Dhāma‐pari­kramās lei­tete Ācārya Kesarī die Pilger mit nāma‐saṅkīrtana von der Devā­n­anda Gauḍīya Maṭha nach Godrum­ad­vīpa. Die Pro­zes­sion führte eine Bild­ge­stalt Mahāprabhus an, welche auf einer geschmückten Sänfte getragen wurde. Bevor sie Kolad­vīpa ver­ließen, brachte Ācārya Kesarī seine Ehr­er­bie­tungen Śrī Māyāpura dar. Als ersten Ort in Godrum­ad­vīpa besuchten sie Surabhi‐Kuñja. Ācārya Kesarī beschrieb die Herr­lich­keiten dieses Ortes:

Indra, der König der Halb­götter, der ein Ver­gehen begangen hatte, weil er in Vraja für sieben Tage lang sint­flut­ar­tige Regen­fälle her­ab­gehen lassen hatte, wollte seine ver­werf­liche Tat wie­der­gut­ma­chen und Buße tun. Daher wandte er sich an Brahmā um Rat. Brahmā ver­riet ihm, dass Kṛṣṇa im Kali‐Yuga erneut als Gau­ra­sundara im wun­der­schönen Navadvīpa‐Dhāma erscheinen und alle Seelen in gött­liche Liebe tau­chen würde. Indra bat dar­aufhin Mutter Sur­abhi, die wunsch­er­fül­lende gött­liche Kuh, ihn nach Navad­vīpa zu begleiten. Sie kamen nach Navad­vīpa, ließen sich auf der west­li­chen Seite der Gaṅgā unter einem Ban­y­an­baum nieder, übten sich in Ent­halt­sam­keit und medi­tierten über Gau­ra­hari. So ver­gingen viele Jahre. Gau­ra­hari erschien schließ­lich vor Indra und seg­nete ihn, in seinen künf­tigen Spielen geboren zu werden. Auch Mutter Sur­abhi blieb dort und ver­ehrte Gau­ra­hari. Des­halb heißt diese Insel, die sich vom öst­li­chen Ufer der Gaṅgā bis zum süd­li­chen Ufer der Saras­vatī und nach Deva­pallī erstreckt, Godruma. Go bedeutet Kuh, und druma bedeutet Baum.

Als die Erde am Ende des kalpas (4 320 000 000 irdi­sche Jahre) von den Was­sern der Ver­nich­tung über­flutet wurde, trieb Mār­kaṇḍeya Ṛṣi, ein bei­nahe unsterb­li­cher Weiser, in den Wellen und wurde so sehr umher­ge­schleu­dert, dass er sein Bewusst­sein verlor. Er wurde in Godruma ange­trieben, wo ihn Mutter Sur­abhi ent­deckte, aus dem Wasser zog und mit ihrer himm­li­schen Milch wie­der­be­lebte. Wie­der­erwacht, blickte Mār­kaṇḍeya Ṛṣi über­rascht auf die wun­der­schönen Wälder im zwei­und­dreißig Meilen umspan­nenden Navad­vīpa. Er fragte Sur­abhi: ‚Mutter, obwohl die ganze Welt über­flutet ist, wird dieser himm­li­sche Ort von der stür­mi­schen See nicht berührt. Wie ist das mög­lich? Wo bin ich?‘

markandeya-rsiOh geseg­neter Weiser, du kamst an diesen Ort nur dank der Gnade des Höch­sten Herrn‘, ant­wor­tete Sur­abhi. ‚Dieses tran­szen­den­tale Land ist als Navadvīpa‐Dhāma bekannt. Es ist tran­szen­dental zur mate­ri­ellen Natur und kann mit mate­ri­ellen Augen nicht wahr­ge­nommen werden. Diese neun hei­ligen Inseln sind Orte, an denen der Gol­dene Herr, Śrī Gau­ra­sundara, Seine Spiele voll­führt.‘

Bitte erzähle mir mehr von Śrī Gau­ra­sundara und diesem wun­der­schönen Ort‘, bat Mār­kaṇḍeya Ṛṣi.

Māyāpura wird von acht Inseln umgeben, ähn­lich der Frucht­hülle eines Lotus, der von seinen Blü­ten­blät­tern ein­ge­schlossen ist. Jede dieser Inseln ist ein kuñja, dem jeweils eine der engen Freun­dinnen Śrī­matī Rād­hārāṇīs vor­steht, welche Erwei­te­rungen Śrī­matī Rād­hārāṇīs eigener Form sind. Māyāpura, die neunte Insel, gehört Rād­hikā selbst. Alle Halb­götter und Hei­ligen Orte weilen in ver­steckter Form in Navad­vīpa, um Śrī Gaurāṅga zu ver­ehren, der Rādhā‐Kṛṣṇa in einer Gestalt ver­kör­pert. Ohne Unter­schei­dung und ein­fach durch Seinen barm­her­zigen Blick gewährt Er reine Liebe zu Gott. Wer Ihn ver­ehrt, wird von allen Sünden und Ver­gehen frei und erlangt die Mög­lich­keit, dem gött­li­chen Paar Śrī Rādhā‐Kṛṣṇa zu dienen. Alle mysti­sche Voll­kom­men­heit, aller Reichtum und sogar Befreiung warten am Ein­gang Navad­vīpas auf eine Gele­gen­heit, dienen zu dürfen. Doch die Geweihten Gaurāṅgas küm­mern sich nicht um solche Neben­säch­lich­keiten. Sie treiben im Glück reiner Liebe. Oh Weiser, ver­ehre Śrī Gaurāṅga und all deine Wün­sche werden in Erfül­lung gehen!‘

Mit Freude nahm Mār­kaṇḍeya Ṛṣi Sur­abhis Rat an und wid­mete sich hier dem bha­jana. Im Laufe der Zeit ver­wirk­lichte er Mahāprabhus Barm­her­zig­keit und sah sein Leben von Erfolg gekrönt.“

Ācārya Kesarī fuhr fort:

Diese Inseln ver­kör­pern die neun wich­tig­sten Arten des hin­ge­bungs­vollen Dien­stes zum Herrn. Zudem sind sie iden­tisch mit den zwölf Wäl­dern Vrajas. Ant­ard­vīpa, der kuñja Śrī­matī Rād­hikās, ist die Insel der Selbster­ge­bung. Sīman­t­ad­vīpa, die Insel des Hörens, gehört Sudevī; Godrum­ad­vīpa, die Insel des Chan­tens, gehört Tuṅga­v­idyā Sakhī; Mad­hy­ad­vīpa, die Insel des Sich Erin­nerns, gehört Viśākhā Sakhī; Kolad­vīpa, die Insel des Dien­stes zu den Lotos­füßen des Herrn, gehört Lalitā Sakhī; Ṛtud­vīpa, die Insel des Ver­eh­rens, gehört Cam­pa­ka­latā Sakhī; Jah­nud­vīpa, die Insel des Betens, gehört Raṅga­devī; Modadrum­ad­vīpa, die Insel des Die­nens als Diener, gehört Indu­lekhā Sakhī; und Rud­rad­vīpa, die Insel des Die­nens als Freund, gehört Citrā Sakhī.“

Ācārya Kesarī schloss:

Ant­ard­vīpa, Sīman­t­ad­vīpa, Godrum­ad­vīpa und Mad­hy­ad­vīpa befinden sich auf der öst­li­chen Seite der Gaṅgā und Kolad­vīpa, Ṛtud­vīpa, Rud­rad­vīpa, Jah­nud­vīpa und Modadrum­ad­vīpa auf der west­li­chen Seite. Ant­ard­vīpa ent­spricht Gokula Mahāvana, nörd­lich von Balala‐Dighi liegen Mad­hu­vana und Mathurā, und in der Nähe von Śrīd­haras Hütte in Māyāpura liegt Viśrāma‐Ghāta. Godrum­ad­vīpa ist nicht ver­schieden von Nan­da­grāma in Vraja. Mad­hy­ad­vīpa ist Teil von Kāmya­vana und beinhaltet Puṣ­kara und Nai­miṣāraṇya. Kolad­vīpa ent­spricht Bahu­lāvana, Campaka‐Haṭṭa ent­spricht Kha­dīra­vana, Ṛtud­vīpa Rādhā‐Kuṇḍa, Kolad­vīpa Govardhana, Jah­nud­vīpa Bhadra­vana und Modadrum­ad­vīpa Bhāṇḍīra­vana. Mahat­pura in Modadrum­ad­vīpa ist nicht ver­schieden von Kāmya­vana. Rud­rad­vīpa ent­spricht Bael­vana, wie auch Sīman­t­ad­vīpa einen Teil Bael­vanas bildet. Auf diese Weise ver­bergen sich alle zwölf Wälder von Vṛn­dāvana in den Inseln Navadvīpa‐Dhāmas.“

Von Surabhi‐Kuñja führte Ācārya Kesarī die Pil­ger­gruppe nach Svānanda‐Sukhada‐Kuñja, errichtet von Śrīla Bhak­ti­vinoda Ṭhākura, wo sich dieser wäh­rend der letzten Tage seines irdi­schen Auf­ent­halts in bha­jana ver­tieft hatte. Śrīla Bhak­ti­vinoda Ṭhākura benannte diesen Platz Svānanda‐Sukhada‐Kuñja, um darauf hin­zu­weisen, dass dieser Ort einzig Śrī­matī Rād­hārāṇī (der Ver­kör­pe­rung reiner Freude) und ihrem Dienst vor­be­halten ist. Hier chan­tete Śrīla Bhak­ti­vinoda Ṭhākura harināma und medi­tierte über Verse aus dem Śrīmad‐Bhāgavatam. Seine tiefen Ver­wirk­li­chungen dieser Verse schlugen sich in seinen Gedichten und Lie­dern nieder. Im Svānanda‐Sukhada‐Kuñja ver­fasste er das Kalyāna‐Kalpa‐Taru, Śaraṇāgati und andere Bhajana‐Bücher. Er schrieb über die ewigen Spiele Vrajas und Gauras, welche sich wäh­rend seiner Medi­ta­tion in seinem Herzen offen­barten. Als Ver­fasser ursprüng­li­cher Melo­dien und Hun­derter Lieder sang er jeden Tag kīr­tanas. Wäh­rend seiner Zeit im Svānanda‐Sukhada‐Kuñja baute Bhak­ti­vinoda Ṭhākura auch Cai­tanya Mahāprabhus Geburtsort aus.

Jemand, der das tran­szen­den­tale Reich Vrajas betreten möchte, muss den rich­tigen sādhana dafür aus­führen. Bhak­ti­vinoda Ṭhākura mani­fe­stierte Svānanda‐Sukhada‐Kuñja als den geeig­neten Ort, um sich in sol­cher spi­ri­tu­ellen Praxis zu üben, welche der Seele ihren ewigen Dienst, ihre ewige Iden­tität und ihre Bezie­hungen in der tran­szen­den­talen Welt gewährt. In Svānanda‐Sukhada‐Kuñja kann man mit dem Glück gesegnet werden, in die ewigen Spiele Rādhā‐Kṛṣṇas in Vṛndāvana‐Dhāma ein­zu­treten.

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