Am dritten Tag des pari­kramā besuchten die Pilger die hei­ligen Plätze in Kolad­vīpa. Ācā­rya­deva beschrieb den Ruhm dieser glück­brin­genden Insel:

Kola­deva ist ein anderer Name für Varāha­deva. Diese Insel wurde nach Ihm benannt. Als die Erde einst von Hiraṇyākṣa und Hiraṇya­kaśipu ent­führt und zu den nie­deren Pla­ne­ten­sy­stemen gebracht wurde, erschien Varāha­deva, hob Pṛthivī-Devī mit Seinen Hauern hoch und setzte sie auf dem Wasser ab. Dar­aufhin for­derte Hiraṇyākṣa Varāha­deva zum Kampf heraus. Nachdem Hiraṇyākṣa getötet worden war, brachte Varāha­deva die Erde an ihren rich­tigen Platz zurück. Kolad­vīpa ist der Ort, an dem Varāha­devas Hauer die Erde berührten.

Pṛthi­vī­devī betete zu Varāha­deva dafür, sich leicht an Ihn erin­nern zu können. So ersucht, ließ der Herr einige seiner Nacken­haare auf die Erde fallen, die dar­aufhin zu Kuśa­gras wuchsen. Weil es vom tran­szen­den­talen Körper des Herrn aus­ging, kann Kuśa­gras nicht zer­stört werden. Pṛthi­vī­devī war durch Varāha­devas Geschenk sehr erfreut. Ein Ort, an dem dieses Kuśa­gras wächst, ist für die Aus­füh­rung von yajñas geeignet. Jemand, der auf dem kuśāsana (einer Matte aus Kuśa­gras) sitzt, wäh­rend er spi­ri­tu­ellen Tätig­keiten nach­geht, dessen Geist wird stets aus­ge­gli­chen sein.

So wie sich Varāha­devas Energie im Kuśa­gras befindet, ist Varāha­deva auch ewig­lich in Kolad­vīpa gegen­wärtig. Des­wegen wird man von jeg­li­cher Art von Sünden, Leiden, Klagen, Angst und dämo­ni­schen Ein­flüssen frei und erlangt die höchste Bestim­mung, sobald man in Kolad­vīpa lebt. Śrī Varāha­devas Geruch­sinn ist unfehlbar. Er spürt barm­her­zi­ger­weise alle unreinen Wün­sche derer auf, die hier­her­kommen, und läu­tert sie.

Im Satya-Yuga lebte in Kolad­vīpa einmal ein brāh­maṇa namens Vāsu­deva, der Varāha­deva ver­ehrte. Śrī Varāha­deva war über seine Hin­gabe erfreut und erschien vor Seinem Geweihten. Er sprach zu Vāsu­deva: „Śrī Navadvīpa-Dhāma ist das ver­steckte Vṛn­dāvana und Mir überaus lieb. Kein Ort kann sich mit Navad­vīpa ver­glei­chen. Wer hier lebt, erlangt das­selbe Resultat, das man erlangt, wenn man an allen hei­ligen Orten gleich­zeitig wohnt. Im Kali-Yuga werde ich als Gau­ra­sundara erscheinen und von hier aus die saṅkīr­tana-Bewe­gung ver­breiten. Auch du wirst in Meinen Spielen erscheinen und so glück­lich sein, Mein līlā zu sehen.“

Kolad­vīpa ist der Ort, an dem alle Ver­gehen aus­ge­löscht werden. Mahāprabhu befreite hier einen Ein­wohner Kuliyās namens Gopāla Cakra­vartī, der Hari­dāsa Ṭhākura und den Hei­ligen Namen geschmäht hatte. Er ret­tete auch Cāpāla und Devā­n­anda Paṇḍita, die sich beide Ver­gehen gegen Śrīvāsa Ṭhākura zuschulden kommen lassen hatten.

Gopāla Cakra­vartī bekam Lepra, weil er Hari­dāsa Ṭhākuras Lob­preis des Hei­ligen Namen mit fol­genden Worten kri­ti­siert hatte: „Befreiung ist nur durch jñāna mög­lich, nie­mals durch harināma. Falls man durch das Chanten von harināma befreit werden kann, soll meine Nase ver­faulen und abfallen, und falls Hari­dāsa unrecht hat, soll dies sein Schicksal sein.“

Drei Tage später erkrankte Gopāla Cakra­vartī an Lepra und seine Nase, Finger und Zehen faulten ab. Als Mahāprabhu nach dem Annehmen von san­nyāsa in Kuliyā ein­traf, bat Ihn Gopāla Cakra­vartī um Ver­ge­bung. Mahāprabhu sah dem Mis­se­täter sein Ver­gehen nach und wies ihn an, unun­ter­bro­chen harināma zu chanten. Gopāla Cakra­vartī wurde ein Diener der Vaiṣṇavas und wid­mete sich fortan dem Chanten der Hei­ligen Namen.

Gopāla Cāpāla, ein kor­rupter brāh­maṇa, der nei­disch auf Śrīvāsa Paṇḍita gewesen war, hatte heim­lich Gegen­stände zur Ver­eh­rung der Göttin Kali – einen Wein­krug, Zin­nober und Fleisch – vor dessen Tür gestellt, um zu zeigen, dass Śrīvāsa sich nur als Vaiṣṇava ausgab, aber in Wirk­lich­keit keiner war. Auch Gopāla Cāpāla bekam für dieses Ver­gehen Lepra. Als er Mahāprabhu um Ver­zei­hung bat, riet ihm Mahāprabhu, bei Śrīvāsa Paṇḍita Zuflucht zu suchen und ihn um Ver­ge­bung zu bitten. Danach wid­mete auch er sich dem kṛṣṇa-bhajana.

Devā­n­anda Paṇḍita war ein renom­mierter Bhāga­vatam-Spre­cher, der vor Nach­fol­gern in seinem Haus in Kuliyā Grāma Vor­träge gab. Er ver­ging sich an Śrīvāsa Paṇḍita, weil er erlaubte, dass Śrīvāsa seines Hauses ver­wiesen wurde, als dieser einmal wäh­rend eines Bhāga­vatam-Vor­trages eksta­ti­sche Sym­ptome zeigte.

Als Mahāprabhu davon erfuhr, bemerkte Er: „Devā­n­anda ver­steht keine Silbe des Bhāga­vatam. Er ist ein Frevler der bhakta-bhāgavatas und des grantha-bhāgavatas, der Gott­ge­weihten und des Buches Bhāga­vata.“

Dank der Barm­her­zig­keit Puṇḍarīka Vidyā­n­idhis erkannte Devā­n­anda Paṇḍita seinen Fehler und bat Mahāprabhu demütig um Ver­zei­hung. Mahāprabhu wies an, dass er sich an Śrīvāsa wenden und ihn um Ent­schul­di­gung bitten müsse. Śrīvāsa Ṭhākura vergab Devā­n­anda Paṇḍita und bat Mahāprabhu um Gnade für ihn. Mahāprabhu gewährte Devā­n­anda Paṇ­dita dar­aufhin Seine Barm­her­zig­keit und dieser wurde zu einem tadel­losen Gott­ge­weihten.

Auf­grund dieser Gescheh­nisse nennt man die Gegend um Kuliyā Grāma in Kolad­vīpa aparādha-bhañjana-pāṭa, den Ort, an dem Ver­gehen aus­ge­löscht werden.

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