Viertes Kapitel

Mathurā, der beste Ort für Sādhana und Smaraṇa

Während Śrīla Gurudeva in Mathurā lebte, wurde er einmal von Gauḍīya-Vaiṣṇavas gefragt: „Du bist ein Gauḍīya. Warum wohnst du in Mathurā? Wir Gauḍīyas sind Nachfolger Śrīmatī Rādhārāṇīs und der Vrajavāsīs. Vrajavāsīs gehen nie nach Mathurā. Warum eröffnete dein Gurudeva ein Tempel hier in Mathurā und nicht in Vṛndāvana, Govardhana oder anderswo in Vraja?“

Śrīla Gurudeva antwortete: „Mein göttlicher Meister, Ācārya Kesarī, eröffnete diesen Tempel, um die Herrlichkeit Vrajas in die Herzen der Einwohnern Mathurās zu säen. Wenn in den Bewohnern Mathurās ein festes Vertrauen in Vraja-Kṛṣṇa und in die Liebe der Vrajavāsīs erwacht, wird es uns möglich sein, die Konzepte Vrajas auf der Welt zu verbreiten. Woanders zu predigen, würde bedeuten, ein fremdes Land erobern zu wollen, während der Feind direkt vor der Haustür steht. Das ist der wichtigste Grund, warum Ācārya Kesarī den Tempel gerade hier eröffnete. Dieser Tempel ist ein Ort für spirituelle Tätigkeiten, an dem man leben kann, um sich an Vraja-Kṛṣṇa und die Vrajavāsīs zu erinnern und eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Um seine ewige spirituelle Form zu erlangen und Vṛndāvana zu betreten, muss der spirituelle Anwärter mit der Barmherzigkeit der Vrajavāsīs, der ewig befreiten Bewohner Vrajas, gesegnet sein. Vṛndāvana ist ein Ort für diejenigen, die schon spirituell vollkommen sind, aber Mathurā ist der beste Ort für sādhakas, Praktizierende. Ein sādhaka, der in Mathurā lebt, wird seine materiellen Wünsche und die falsche Anziehung zum weltlichen Leben verlieren, und Hingabe zu hari-bhakti wird ihren Platz in seinem Herzen einnehmen. Mathurā-Dhāma wird im Padma-Purāṇa verherrlicht:

aho madhu-purī dhanyā vaikuṇṭhāc ca garīyasī
dinam ekaṁ nivāsena harau bhaktiḥ prajāyate

Der Ruhm Mathurās übertrifft sogar die Herrlichkeit Vaikuṇṭhas! Nur einen Tag in Mathurā zu verweilen, erweckt Hingabe für Śrī Hari im Herzen.

Mathurā-Dhāma ist der beste Ort, um sich an Vraja mit den Gefühlen der Trennung zu erinnern“, fuhr Śrīla Gurudeva fort. „Und sich so in Trennung zu erinnern, ist der schnellste Weg, um spirituell vollkommen zu werden. Viele große Gottgeweihten erinnerten sich in Mathurā an Vraja. Beispiele dafür finden wir im Zehnten Canto des Śrīmad-Bhāgavatam. Als Kaṁsa die himmlische Stimme hörte, die seinen Tod durch Devakīs Kind vorhersagte, ließ er seine frisch vermählte Schwester und ihren Ehemann Vasudeva gefangen nehmen und misshandelte sie auf vielerlei Weise. Er sperrte sie in einen dunklen, feuchten Kerker, kettete sie an, rationierte ihr Essen und Trinken und legte zusätzlich schwere Steine auf ihrer Brust. Vasudeva fragte Devakī: ‚Direkt nach deiner Hochzeit musst du so unsäglich leiden. Aber du beschwerst dich nicht. Bist du nicht unglücklich und entmutigt?‘

‚Mein Gemahl, ich leide nicht‘, antwortete sie. ‚Ich bin glücklich, mit dir, einem Gottgeweihten, zusammen sein zu dürfen. Bhagavān ist uns barmherzig. Wären wir in weltlichem Glück und Familienleben verstrickt, würden wir unser Leben mit zeitweiliger Sinnesbefriedigung verschwenden. Es ist unser gutes Glück, dass wir jetzt die Möglichkeit haben, uns an Bhagavān zu erinnern, über ihn zu hören und ihn zu verherrlichen. Hier im Gefängnis stören uns keine weltlichen Leute mit ihrer falschen Zuneigung. Keiner stiehlt unsere wertvolle Zeit. Wie können wir uns der transzendentalen Welt nähern, wenn wir diese kleine Prüfung nicht bestehen?‘ Vasudevas und Devakīs Herzen waren vollständig rein, weil sie sich ohne Unterlass an Bhagavān erinnerten.

Der grausame König Kaṁsa tötete unbarmherzig ihre ersten sechs Kinder, eins nach dem anderem. Welche Mutter kann es ertragen, zuzusehen, wie ihr Kind, das sie neun Monate in ihrem Leib trug, vor ihren Augen umgebracht wird? Aber Devakīs erhabene Sichtweise war: ‚Möge ich Bhagavān nie fern sein. Er kann mich in jede Lage versetzen, aber ich werde mich immer an Ihn erinnern.‘ Nachdem Kṛṣṇa erschienen war, quälte Kaṁsa Devakī und Vasudeva sogar noch schlimmer. Doch sie waren in ihren inneren Dienst vertieft und erinnerten sich an Kṛṣṇa. Aufgrund dieser Hingabe Vasudevas und Devakīs ist Mathurā ruhmreich.

Hier in Mathurā hat man die gute Gelegenheit, sich an Vraja, die Vrajavāsīs und an Kṛṣṇas Spiele in Vraja zu erinnern.“ Śrīla Gurudeva fuhr fort: „Um seine Macht zu stärken, ließ Kaṁsa brāhmaṇas vedische Opferzeremonien in Mathurā durchführen. Als Kṛṣṇa aufwuchs, hörten die Frauen der brāhmaṇas (die Yajña-Patnīs im Dorf Bhatrol) über Kṛṣṇas wundervolle süße Spiele in Vraja. Jeden Morgen nach dem Aufstehen kochten sie schmackhafte Gerichte und beteten dabei inständig: ‚Die vraja-gopīs kochen in reiner Liebe einzigartige Speisen für Kṛṣṇa. Kṛṣṇa erwidert ihre Liebe, indem Er ihre Speisen kostet und Butter aus ihren Häusern stiehlt. Werden auch wir irgendwann so gesegnet sein? Oh weh! Wir können nicht einmal mit Kṛṣṇa sprechen, denn unsere Ehemänner arbeiten für Kaṁsa, der Kṛṣṇa töten möchte.‘ Die Frauen der Mathurā-brāhmaṇas erinnerten sich fortgesetzt an die vraja-gopīs und beteten um Kṛṣṇas Dienst. Kṛṣṇa erwiderte ihre Gebete, als er eines schönen Tages mit Seinen Freunden und Kälbchen in die Nähe Mathurās kam. Kṛṣṇa schickte Seine hungrigen Freunde zu den brāhmaṇas, die mit ihren Feueropfern beschäftigt waren, um diese um etwas zu essen zu bitten. Als die brāhmaṇas ärgerlich ablehnten, sandte Kṛṣṇa Seine Freunde zu den Frauen der brāhmaṇas. Die Frauen, die hörten, dass Kṛṣṇa in der Nähe war, nahmen sofort all die leckeren Gerichte, die sie zubereitet hatten, und gingen ohne Zögern zu Ihm. Sie kümmerten sich nicht um ihre Familien, die sie zurückzuhalten versuchten. Als sie Kṛṣṇa sahen, waren sie von seiner Schönheit fasziniert. Śukadeva Gosvāmī beschrieb König Parīkṣit den Ruhm der Yajña-Patnīs im Śrīmad-Bhāgavatam (10.23.24):

Oh Herrscher: Die Frauen der brāhmaṇas hatten für lange Zeit über Kṛṣṇa gehört. Sein Ruhm war der Schmuck ihrer Ohren geworden. In der Tat weilte ihr Geist immer bei Ihm. Jetzt nahmen sie Kṛṣṇa durch die Öffnungen ihrer Augen in ihre Herzen auf und umarmten Ihn dort eingehend. Auf diese Weise verflog ihr Schmerz der Trennung von Ihm, genauso wie die Weisen von der Furcht vor ihrem falschen Ego frei werden, sobald sie ihr inneres Bewusstsein umarmen.

Śrīla Gurudeva fuhr fort: „Kṛṣṇa nahm die Opfergaben der Yajña-Patnīs an, weil Er wusste, wie sehr sie sich wünschten, Ihm zu dienen. Er kannte ihre tiefe Liebe zu Vraja und den Vrajavāsīs. Die Yajña-Patnīs wollten nicht zu ihren Familien zurückkehren, aber Kṛṣṇa sagte: ‚Diejenigen, die den Vrajavāsīs dienen und mit Vraja verbunden sind, werden von der ganzen Welt verehrt. Wenn ihr nicht zurückkehrt, können eure Verwandten nicht von eurer Gemeinschaft profitieren und gereinigt werden.‘

Wer sich an die Vrajavāsīs, Vraja Maṇḍala und Kṛṣṇa erinnert, hat die Kraft, die Sünden und materielle Wünsche der gesamten Welt zu zerstören und den höchsten Reichtum, vraja-prema, zu verteilen. Als die Yajña-Patnīs nach Hause zurückkehrten, gaben ihre Ehemänner ihren Fehler zu und erwiesen ihren Frauen große Achtung.

Mathurā ist nicht weit von Vraja entfernt und somit ein geeigneter Ort, sich an die Vrajavāsīs und Kṛṣṇa zu erinnern. Die vorherrschende Gottheit Mathurās beseitigt barmherzigerweise alle abträglichen Wünsche und gibt uns die Eignung, Vraja zu betreten.“

Weiter sprach Śrīla Gurudeva über den Trennungsschmerz Kṛṣṇas in Mathurā: „Kṛṣṇa lebte glücklich für zehneinhalb Jahre in Vraja. Dann kam Akrūra, entriss Ihn den Händen der Vrajavāsīs und brachte Ihn zu den Yādavas nach Mathurā. Dort fühlte Sich Kṛṣṇa einsam. Er litt Tag und Nacht. Er aß und schlief nicht. Doch niemand konnte Seinen Kummer erahnen. Keiner wusste, wie man Seine Traurigkeit vertreiben konnte.

Die Yadus machten Kṛṣṇa zu einem der ihren und versuchten, Ihn Seine anderen Verwandtschaftsbeziehungen vergessen zu lassen. Sie drängten Ihn: ‚Du bist Teil unserer Familie. Nanda und Yaśodā sind nur Deine Zieheltern.‘ Ugrasena Mahārāja, Vasudeva, Devakī und die anderen Yādavas behielten Kṛṣṇa in Mathurā und ließen Ihn nicht gehen. Mathurā ist deshalb der Ort, an dem Kṛṣṇa zum ersten Mal die Trennung von den Vrajavāsīs verspürte.

Während die Yādavas und die anderen Bewohner in Mathurā von Kṛṣṇa Besitz ergriffen, verzehrten sich die Vraja-Devīs und Vrajavāsīs im Kummer der Trennung von Kṛṣṇa. Doch wenigstens konnten sie sich gegenseitig trösten. Aber wer verstand Kṛṣṇas Schmerz in Mathurā? Kṛṣṇa war allein. Es war niemand bei Ihm, der den Ruhm und die Liebe der Vrajavāsīs kannte. Keiner verstand Sein Herz. Wie kann jemand, der glücklich ist, den Kummer eines Unglücklichen verstehen? Wie kann jemand, der noch nie von einer giftigen Schlange gebissen wurde, solchen Schmerz nachvollziehen?

Uddhava konnte nicht begreifen, warum Kṛṣṇa niedergeschlagen war und immer wieder weinte. Er dachte: ‚Hier in Mathurā hat Kṛṣṇa allen Luxus. Warum erinnert Er sich an Seine Kindheit in Vraja?‘ Kṛṣṇa schickte Uddhava nach Vṛndāvana, um ihm eine Möglichkeit zu geben, die Liebe der Vrajavāsīs zu verstehen. Vasudeva Mahārāja und König Ugrasena überlegten, wie sie Kṛṣṇa am besten Seine Beziehung zu den Vrajavāsīs vergessen machen konnten. Sie entschlossen sich, dass Kṛṣṇa die brāhmaṇa-Schnur empfangen und weit weg in die Gurukula Sāndīpani Munis nach Avantipura geschickt werden sollte. Sie luden keinen der Vrajavāsīs zur Einweihungszeremonie ein. Am Ende der Zeremonie trug der Priester Kṛṣṇa auf, bei den Einwohnern Mathurās Almosen zu sammeln. Als erstes aber sollte Er Seine Mutter um Almosen bitten. Kṛṣṇa begann sogleich in der Menge nach Mutter Yaśodā zu suchen. Er rief: ‚Māiyā, Māiyā!‘ Kṛṣṇa lief an Devakī vorüber, ohne sie wahrzunehmen. Als Er Mutter Yaśodā nicht sehen konnte, weinte Er ungehemmt und fiel bewusstlos zu Boden.

Śrīla Gurudeva fuhr fort: „Einmal kamen die Vrajavāsīs anlässlich einer Sonnenfinsternis nach Kurukṣetra, um dort die entsprechenden religiösen Zeremonien durchzuführen. Neben vielen Königen, Weisen und Sādhus waren auch die Mitglieder der Yādava-Dynastie aus Dvārakā zugegen. Zu der Zeit hielt sich Kṛṣṇa bereits einhundert Jahre auf der Erde auf. Für neunzig Jahre war er nicht nach Vraja zurückgekehrt. Als Er Mutter Yaśodā in Kurukṣetra sah, lief Er mit Tränen in den Augen zu ihr und sprang auf ihren Schoß. Sie bedeckte Kṛṣṇas Gesicht mit ihrem Schleier und stillte Ihn mit der Milch, die aus ihren Brüsten zu fließen begann. Devakī hatte diese Art von Glück nie gekostet. Die Vraja-Devīs sagten zu Kṛṣṇa: ‚Dies ist kein passender Ort. Komm mit uns nach Vṛndāvana. Wir wissen, dass du inmitten dieses Prunks nicht glücklich bist.‘

Jemand, der ein Vrajavāsī wird, kann Kṛṣṇas Liebe empfangen. Die Vraja-Devīs und Vrajavāsīs leben nur für Kṛṣṇas Freude. Wer keine Liebe für die Vrajavāsīs hegt und keine Beziehung zu ihnen aufbaut, kann Kṛṣṇa durch seine Verehrung nicht zufriedenstellen, auch nicht durch tausende Rituale und Darbringungen. Kṛṣṇa selbst betont:

vṛndāvanaṁ parityajya naiva gacchāmy ahaṁ kvacit
nivasāmy anayā sārdhaṁ aham atraiva sarvadā

Śrī Sanatkumāra Saṁhita, Pañcarātra

Ich setze niemals auch nur einen Schritt aus Vṛndāvana heraus. Zusammen mit Śrī Rādhā weile Ich ewiglich in Vṛndāvana.

Kṛṣṇa sagt: ‚Ich lebe nicht in Mathurā. Ich lebe immer in Vṛndāvana. Nach Mathurā komme ich in Meiner Teilerweiterung, um die Bewohner dort demütig zu machen und die Herrlichkeit der Vrajavāsīs verstehen zu lassen. Aber als ich sah, wie hartherzig die Mathurāvāsīs waren und dass sie die süße Liebe der Vrajavāsīs zu Mir nicht verstehen konnten, verlor Ich diese Hoffnung. Ich sandte Uddhava nach Vraja und er bemühte sich, die Herzen der Einwohner Mathurās zu erweichen, aber es war fruchtlos.‘ Nachdem Kṛṣṇa Kaṁsa getötet und mit Jarāsandha gekämpft hatte, brachte Er alle Mathurāvāsīs nach Dvārakā. Er dachte sich: ‚Sie sind nicht qualifiziert, in der Nähe Vraja-Maṇḍalas zu leben.‘“

Śrīla Gurudeva sagte dann: „Sinn und Zweck, in Mathurā zu wohnen, ist es, über Vraja und die Vrajavāsīs zu meditieren und Vertrauen in sie und eine Beziehung zu ihnen zu entwickeln. Die Frauen der brāhmaṇas veranschaulichen dies. Sie erinnern sich immer an den Austausch zwischen Kṛṣṇa und den Vraja-Gopīs. Aus diesem Grund kam Kṛṣṇa nach Bhatrol und nahm ihre Liebe an, indem Er ihre Speisen aß. Vipralambha na paya kṛṣṇa ki. Ohne die Stimmung der Begierde zu kultivieren, kann man Kṛṣṇa nicht erreichen. Kṛṣṇa selbst erinnert Sich unentwegt an die Vrajavāsīs. Wenn man in Mathurā lebt, kann man sich leicht an die Vrajavāsīs und an Śrīmatī Rādhārāṇī erinnern.

Sobald jemand in Mathurā-Purī Rādhārāṇī und die Vraja-Devīs verherrlicht, ist Kṛṣṇa erfreut und gibt ihm die Qualifikation, in Vraja zu leben. Es ist Kṛṣṇas Wunsch, dass jeder den Ruhm Śrīmatī Rādhārāṇīs und der Vraja-Devīs versteht. Wer in Mathurā nicht unter der Führung der Vraja-Devīs lebt, wird eine Natur wie die Kubjās entwickeln. Die meisten Bewohner Mathurās besitzen Lust, nicht Liebe. In ihrer Nähe zu leben, lässt Lust im eigenen Herzen erwachen. Falls jemand jedoch den Vrajavāsīs folgt, wird das Herz der Vrajavāsīs aus Barmherzigkeit schmelzen. Durch die Strahlen ihrer Liebe wird dann die Krankheit der Lust gereinigt und reine Liebe erwacht im Herzen. Den Beweis dafür findet man im Śrīmad-Bhāgavatam (10.33.39): vikrīḍitaṁ vraja-vadhūbhir idaṁ ca viṣṇoḥ ‒ bhaktiṁ parāṁ bhagavati pratilabhya kāmaṁ.“

Śrīla Gurudeva schloss: „Kṛṣṇa ist überaus erfreut, wenn die Seelen, die im illusorischen materiellen Leben umherirren, vom Ruhm der selbstlosen Liebe angezogen werden, die die Vrajavāsīs zu Ihm verspüren. Aus diesem Grund eröffnete mein verehrenswerter Śrī Gurupādapadma, Śrīla Bhaktiprajñāna Keśava Gosvāmī Mahārāja, eine Zweigstelle Vrajas in Mathurā. Unsere Mission besteht nicht nur darin, Kṛṣṇa zurück nach Vraja zu bringen. Wir werden alle bedingten Seelen nach Vraja bringen. Dies ist der einzige Ort, an der die Seele ewiges Glück erfährt. Die Vrajavāsīs sind Kṛṣṇa über alle Maßen lieb. Kṛṣṇa wird niemals Freundschaft mit jemandem schließen, der die Vrajavāsīs missachtet. In Mathurā denkt Kṛṣṇa unentwegt an die Zeit, die Er mit Vrajavāsīs verbrachte. Wenn jemand in Mathurā lebt und sich Kṛṣṇas Stimmung der Sehnsucht nach Vraja zum Vorbild nimmt, wird Kṛṣṇa sehr erfreut sein. Er wird diesen Gottgeweihten ohne Zweifel von Sünden aus unzähligen früheren Leben befreien und ihm die Qualifikation für Vraja-Mandala verleihen.“

Die Gauḍīya-Vaiṣṇavas, die Śrīla Gurudeva die Frage gestellt hatten, weinten, als sie diese ergreifende Antwort hörten. Danach servierte Śrīla Gurudeva ihnen mahā-prasāda und sorgte für ihre Beherbergung. Fast alle Vaiṣṇavas, die aus oder nach Vraja-Maṇḍala kamen, reisten durch Mathurā. Śrīla Gurudeva diente ihnen allen. Viele fortgeschrittene Schüler Śrīla Sarasvatī Ṭhākura Prabhupādas hielten sich von Zeit zu Zeit in der Keśavajī Gauḍīya Maṭha auf. Gurudevas dienende Haltung war so gewinnend, dass sie ihn mit der Kraft und der Hingabe segneten, die tiefsten Wünsche seines göttlichen Meisters zu erfüllen. Während Śrīla Gurudeva in Mathurā lebte, chantete und meditierte er über Kṛṣṇas Gefühle der Sehnsucht nach Vraja. Gurudeva verspürte den starken Wunsch, die Herrlichkeit der Vraja-Devīs zu verbreiten. Beim rāsa-līlā hatte Kṛṣṇa die gopīs verlassen. Nachdem er etwas später wieder vor ihnen erschien war, hatte er zu ihnen folgendes gesprochen:

na pāraye ´haṁ niravadya-saṁyujāṁ
sva-sādhu-kṛtyaṁ vibudhāyuṣāpi vaḥ
yā mābhajan durjara-geha-śṛṅkhalāḥ
saṁvṛścya tad vaḥ pratiyātu sādhunā
Śrīmad-Bhāgavatam
10.32.22

Ich bin nicht imstande, euch euren makellosen Dienst zu Mir zu vergelten, selbst nicht in einem Leben Brahmās (das Trillionen von Jahren währt). Eure Beziehung zu Mir ist über jede Kritik erhaben. Ihr habt Mich verehrt und dabei all die familiären und sozialen Bindungen durchtrennt, die nur äußerst schwer aufzugeben sind. Lasst deshalb eure eigenen glorreichen Taten euer Lohn sein.

Kṛṣṇa teilte den Vraja-Devīs mit: „Ich kann Meine Schuld euch gegenüber nicht begleichen. In der Zukunft werden Meine reine Geweihten in diese Welt herabsteigen und die Herrlichkeit eurer makellosen Liebe verkünden.“

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