Mathurā, der beste Ort für Sādhana und Sma­raṇa

Wäh­rend Śrīla Guru­deva in Mathurā lebte, wurde er einmal von Gauḍīya‐Vaiṣṇavas gefragt: „Du bist ein Gauḍīya. Warum wohnst du in Mathurā? Wir Gauḍīyas sind Nach­folger Śrī­matī Rād­hārāṇīs und der Vra­ja­vāsīs. Vra­ja­vāsīs gehen nie nach Mathurā. Warum eröff­nete dein Guru­deva ein Tempel hier in Mathurā und nicht in Vṛn­dāvana, Govardhana oder anderswo in Vraja?“

Śrīla Guru­deva ant­wor­tete: „Mein gött­li­cher Mei­ster, Ācārya Kesarī, eröff­nete diesen Tempel, um die Herr­lich­keit Vrajas in die Herzen der Ein­woh­nern Mathurās zu säen. Wenn in den Bewoh­nern Mathurās ein festes Ver­trauen in Vraja‐Kṛṣṇa und in die Liebe der Vra­ja­vāsīs erwacht, wird es uns mög­lich sein, die Kon­zepte Vrajas auf der Welt zu ver­breiten. Woan­ders zu pre­digen, würde bedeuten, ein fremdes Land erobern zu wollen, wäh­rend der Feind direkt vor der Haustür steht. Das ist der wich­tigste Grund, warum Ācārya Kesarī den Tempel gerade hier eröff­nete. Dieser Tempel ist ein Ort für spi­ri­tu­elle Tätig­keiten, an dem man leben kann, um sich an Vraja‐Kṛṣṇa und die Vra­ja­vāsīs zu erin­nern und eine Bezie­hung zu ihnen auf­zu­bauen. Um seine ewige spi­ri­tu­elle Form zu erlangen und Vṛn­dāvana zu betreten, muss der spi­ri­tu­elle Anwärter mit der Barm­her­zig­keit der Vra­ja­vāsīs, der ewig befreiten Bewohner Vrajas, gesegnet sein. Vṛn­dāvana ist ein Ort für die­je­nigen, die schon spi­ri­tuell voll­kommen sind, aber Mathurā ist der beste Ort für sādhakas, Prak­ti­zie­rende. Ein sādhaka, der in Mathurā lebt, wird seine mate­ri­ellen Wün­sche und die fal­sche Anzie­hung zum welt­li­chen Leben ver­lieren, und Hin­gabe zu hari‐bhakti wird ihren Platz in seinem Herzen ein­nehmen. Mathurā‐Dhāma wird im Padma‐Purāṇa ver­herr­licht:

aho madhu‐purī dhanyā vai­kuṇṭhāc ca garīyasī dinam ekaṁ nivā­sena harau bhaktiḥ pra­jāyate

Der Ruhm Mathurās über­trifft sogar die Herr­lich­keit Vai­kuṇṭhas! Nur einen Tag in Mathurā zu ver­weilen, erweckt Hin­gabe für Śrī Hari im Herzen.

Mathurā‐Dhāma ist der beste Ort, um sich an Vraja mit den Gefühlen der Tren­nung zu erin­nern“, fuhr Śrīla Guru­deva fort. „Und sich so in Tren­nung zu erin­nern, ist der schnellste Weg, um spi­ri­tuell voll­kommen zu werden. Viele große Gott­ge­weihten erin­nerten sich in Mathurā an Vraja. Bei­spiele dafür finden wir im Zehnten Canto des Śrīmad‐Bhāgavatam. Als Kaṁsa die himm­li­sche Stimme hörte, die seinen Tod durch Devakīs Kind vor­her­sagte, ließ er seine frisch ver­mählte Schwe­ster und ihren Ehe­mann Vasu­deva gefangen nehmen und miss­han­delte sie auf vie­lerlei Weise. Er sperrte sie in einen dunklen, feuchten Kerker, ket­tete sie an, ratio­nierte ihr Essen und Trinken und legte zusätz­lich schwere Steine auf ihrer Brust. Vasu­deva fragte Devakī: ‚Direkt nach deiner Hoch­zeit musst du so unsäg­lich leiden. Aber du beschwerst dich nicht. Bist du nicht unglück­lich und ent­mu­tigt?‘

Mein Gemahl, ich leide nicht‘, ant­wor­tete sie. ‚Ich bin glück­lich, mit dir, einem Gott­ge­weihten, zusammen sein zu dürfen. Bha­gavān ist uns barm­herzig. Wären wir in welt­li­chem Glück und Fami­li­en­leben ver­strickt, würden wir unser Leben mit zeit­wei­liger Sin­nes­be­frie­di­gung ver­schwenden. Es ist unser gutes Glück, dass wir jetzt die Mög­lich­keit haben, uns an Bha­gavān zu erin­nern, über ihn zu hören und ihn zu ver­herr­li­chen. Hier im Gefängnis stören uns keine welt­li­chen Leute mit ihrer fal­schen Zunei­gung. Keiner stiehlt unsere wert­volle Zeit. Wie können wir uns der tran­szen­den­talen Welt nähern, wenn wir diese kleine Prü­fung nicht bestehen?‘ Vasu­devas und Devakīs Herzen waren voll­ständig rein, weil sie sich ohne Unter­lass an Bha­gavān erin­nerten.

Der grau­same König Kaṁsa tötete unbarm­herzig ihre ersten sechs Kinder, eins nach dem anderem. Welche Mutter kann es ertragen, zuzu­sehen, wie ihr Kind, das sie neun Monate in ihrem Leib trug, vor ihren Augen umge­bracht wird? Aber Devakīs erha­bene Sicht­weise war: ‚Möge ich Bha­gavān nie fern sein. Er kann mich in jede Lage ver­setzen, aber ich werde mich immer an Ihn erin­nern.‘ Nachdem Kṛṣṇa erschienen war, quälte Kaṁsa Devakī und Vasu­deva sogar noch schlimmer. Doch sie waren in ihren inneren Dienst ver­tieft und erin­nerten sich an Kṛṣṇa. Auf­grund dieser Hin­gabe Vasu­devas und Devakīs ist Mathurā ruhm­reich.

Hier in Mathurā hat man die gute Gele­gen­heit, sich an Vraja, die Vra­ja­vāsīs und an Kṛṣṇas Spiele in Vraja zu erin­nern.“ Śrīla Guru­deva fuhr fort: „Um seine Macht zu stärken, ließ Kaṁsa brāh­maṇas vedi­sche Opfer­ze­re­mo­nien in Mathurā durch­führen. Als Kṛṣṇa auf­wuchs, hörten die Frauen der brāh­maṇas (die Yajña‐Patnīs im Dorf Bhatrol) über Kṛṣṇas wun­der­volle süße Spiele in Vraja. Jeden Morgen nach dem Auf­stehen kochten sie schmack­hafte Gerichte und beteten dabei inständig: ‚Die vraja‐gopīs kochen in reiner Liebe ein­zig­ar­tige Speisen für Kṛṣṇa. Kṛṣṇa erwi­dert ihre Liebe, indem Er ihre Speisen kostet und Butter aus ihren Häu­sern stiehlt. Werden auch wir irgend­wann so gesegnet sein? Oh weh! Wir können nicht einmal mit Kṛṣṇa spre­chen, denn unsere Ehe­männer arbeiten für Kaṁsa, der Kṛṣṇa töten möchte.‘ Die Frauen der Mathurā‐brāh­maṇas erin­nerten sich fort­ge­setzt an die vraja‐gopīs und beteten um Kṛṣṇas Dienst. Kṛṣṇa erwi­derte ihre Gebete, als er eines schönen Tages mit Seinen Freunden und Kälb­chen in die Nähe Mathurās kam. Kṛṣṇa schickte Seine hung­rigen Freunde zu den brāh­maṇas, die mit ihren Feu­er­op­fern beschäf­tigt waren, um diese um etwas zu essen zu bitten. Als die brāh­maṇas ärger­lich ablehnten, sandte Kṛṣṇa Seine Freunde zu den Frauen der brāh­maṇas. Die Frauen, die hörten, dass Kṛṣṇa in der Nähe war, nahmen sofort all die leckeren Gerichte, die sie zube­reitet hatten, und gingen ohne Zögern zu Ihm. Sie küm­merten sich nicht um ihre Fami­lien, die sie zurück­zu­halten ver­suchten. Als sie Kṛṣṇa sahen, waren sie von seiner Schön­heit fas­zi­niert. Śuka­deva Gos­vāmī beschrieb König Parīkṣit den Ruhm der Yajña‐Patnīs im Śrīmad‐Bhāgavatam (10.23.24):

Oh Herr­scher: Die Frauen der brāh­maṇas hatten für lange Zeit über Kṛṣṇa gehört. Sein Ruhm war der Schmuck ihrer Ohren geworden. In der Tat weilte ihr Geist immer bei Ihm. Jetzt nahmen sie Kṛṣṇa durch die Öff­nungen ihrer Augen in ihre Herzen auf und umarmten Ihn dort ein­ge­hend. Auf diese Weise ver­flog ihr Schmerz der Tren­nung von Ihm, genauso wie die Weisen von der Furcht vor ihrem fal­schen Ego frei werden, sobald sie ihr inneres Bewusst­sein umarmen.

Śrīla Guru­deva fuhr fort: „Kṛṣṇa nahm die Opfer­gaben der Yajña‐Patnīs an, weil Er wusste, wie sehr sie sich wünschten, Ihm zu dienen. Er kannte ihre tiefe Liebe zu Vraja und den Vra­ja­vāsīs. Die Yajña‐Patnīs wollten nicht zu ihren Fami­lien zurück­kehren, aber Kṛṣṇa sagte: ‚Die­je­nigen, die den Vra­ja­vāsīs dienen und mit Vraja ver­bunden sind, werden von der ganzen Welt ver­ehrt. Wenn ihr nicht zurück­kehrt, können eure Ver­wandten nicht von eurer Gemein­schaft pro­fi­tieren und gerei­nigt werden.‘

Wer sich an die Vra­ja­vāsīs, Vraja Maṇḍala und Kṛṣṇa erin­nert, hat die Kraft, die Sünden und mate­ri­elle Wün­sche der gesamten Welt zu zer­stören und den höch­sten Reichtum, vraja‐prema, zu ver­teilen. Als die Yajña‐Patnīs nach Hause zurück­kehrten, gaben ihre Ehe­männer ihren Fehler zu und erwiesen ihren Frauen große Ach­tung.

Mathurā ist nicht weit von Vraja ent­fernt und somit ein geeig­neter Ort, sich an die Vra­ja­vāsīs und Kṛṣṇa zu erin­nern. Die vor­herr­schende Gott­heit Mathurās besei­tigt barm­her­zi­ger­weise alle abträg­li­chen Wün­sche und gibt uns die Eig­nung, Vraja zu betreten.“

Weiter sprach Śrīla Guru­deva über den Tren­nungs­schmerz Kṛṣṇas in Mathurā: „Kṛṣṇa lebte glück­lich für zehn­ein­halb Jahre in Vraja. Dann kam Akrūra, ent­riss Ihn den Händen der Vra­ja­vāsīs und brachte Ihn zu den Yādavas nach Mathurā. Dort fühlte Sich Kṛṣṇa einsam. Er litt Tag und Nacht. Er aß und schlief nicht. Doch nie­mand konnte Seinen Kummer erahnen. Keiner wusste, wie man Seine Trau­rig­keit ver­treiben konnte.

Die Yadus machten Kṛṣṇa zu einem der ihren und ver­suchten, Ihn Seine anderen Ver­wandt­schafts­be­zie­hungen ver­gessen zu lassen. Sie drängten Ihn: ‚Du bist Teil unserer Familie. Nanda und Yaśodā sind nur Deine Zieh­el­tern.‘ Ugra­sena Mahārāja, Vasu­deva, Devakī und die anderen Yādavas behielten Kṛṣṇa in Mathurā und ließen Ihn nicht gehen. Mathurā ist des­halb der Ort, an dem Kṛṣṇa zum ersten Mal die Tren­nung von den Vra­ja­vāsīs ver­spürte.

Wäh­rend die Yādavas und die anderen Bewohner in Mathurā von Kṛṣṇa Besitz ergriffen, ver­zehrten sich die Vraja‐Devīs und Vra­ja­vāsīs im Kummer der Tren­nung von Kṛṣṇa. Doch wenig­stens konnten sie sich gegen­seitig trö­sten. Aber wer ver­stand Kṛṣṇas Schmerz in Mathurā? Kṛṣṇa war allein. Es war nie­mand bei Ihm, der den Ruhm und die Liebe der Vra­ja­vāsīs kannte. Keiner ver­stand Sein Herz. Wie kann jemand, der glück­lich ist, den Kummer eines Unglück­li­chen ver­stehen? Wie kann jemand, der noch nie von einer gif­tigen Schlange gebissen wurde, sol­chen Schmerz nach­voll­ziehen?

Uddhava konnte nicht begreifen, warum Kṛṣṇa nie­der­ge­schlagen war und immer wieder weinte. Er dachte: ‚Hier in Mathurā hat Kṛṣṇa allen Luxus. Warum erin­nert Er sich an Seine Kind­heit in Vraja?‘ Kṛṣṇa schickte Uddhava nach Vṛn­dāvana, um ihm eine Mög­lich­keit zu geben, die Liebe der Vra­ja­vāsīs zu ver­stehen. Vasu­deva Mahārāja und König Ugra­sena über­legten, wie sie Kṛṣṇa am besten Seine Bezie­hung zu den Vra­ja­vāsīs ver­gessen machen konnten. Sie ent­schlossen sich, dass Kṛṣṇa die brāh­maṇa-Schnur emp­fangen und weit weg in die Guru­kula Sān­dīpani Munis nach Avan­tipura geschickt werden sollte. Sie luden keinen der Vra­ja­vāsīs zur Ein­wei­hungs­ze­re­monie ein. Am Ende der Zere­monie trug der Prie­ster Kṛṣṇa auf, bei den Ein­woh­nern Mathurās Almosen zu sam­meln. Als erstes aber sollte Er Seine Mutter um Almosen bitten. Kṛṣṇa begann sogleich in der Menge nach Mutter Yaśodā zu suchen. Er rief: ‚Māiyā, Māiyā!‘ Kṛṣṇa lief an Devakī vor­über, ohne sie wahr­zu­nehmen. Als Er Mutter Yaśodā nicht sehen konnte, weinte Er unge­hemmt und fiel bewusstlos zu Boden.

Śrīla Guru­deva fuhr fort: „Einmal kamen die Vra­ja­vāsīs anläss­lich einer Son­nen­fin­sternis nach Kurukṣetra, um dort die ent­spre­chenden reli­giösen Zere­mo­nien durch­zu­führen. Neben vielen Königen, Weisen und Sādhus waren auch die Mit­glieder der Yādava‐Dynastie aus Dvārakā zugegen. Zu der Zeit hielt sich Kṛṣṇa bereits ein­hun­dert Jahre auf der Erde auf. Für neunzig Jahre war er nicht nach Vraja zurück­ge­kehrt. Als Er Mutter Yaśodā in Kurukṣetra sah, lief Er mit Tränen in den Augen zu ihr und sprang auf ihren Schoß. Sie bedeckte Kṛṣṇas Gesicht mit ihrem Schleier und stillte Ihn mit der Milch, die aus ihren Brü­sten zu fließen begann. Devakī hatte diese Art von Glück nie geko­stet. Die Vraja‐Devīs sagten zu Kṛṣṇa: ‚Dies ist kein pas­sender Ort. Komm mit uns nach Vṛn­dāvana. Wir wissen, dass du inmitten dieses Prunks nicht glück­lich bist.‘

Jemand, der ein Vra­ja­vāsī wird, kann Kṛṣṇas Liebe emp­fangen. Die Vraja‐Devīs und Vra­ja­vāsīs leben nur für Kṛṣṇas Freude. Wer keine Liebe für die Vra­ja­vāsīs hegt und keine Bezie­hung zu ihnen auf­baut, kann Kṛṣṇa durch seine Ver­eh­rung nicht zufrie­den­stellen, auch nicht durch tau­sende Rituale und Dar­brin­gungen. Kṛṣṇa selbst betont:

vṛn­dāvanaṁ parit­y­ajya naiva gac­chāmy ahaṁ kvacit nivasāmy anayā sārdhaṁ aham atraiva sar­vadā Śrī Sanat­kumāra Saṁhita, Pañ­carātra

Ich setze nie­mals auch nur einen Schritt aus Vṛn­dāvana heraus. Zusammen mit Śrī Rādhā weile Ich ewig­lich in Vṛn­dāvana.

Kṛṣṇa sagt: ‚Ich lebe nicht in Mathurā. Ich lebe immer in Vṛn­dāvana. Nach Mathurā komme ich in Meiner Tei­ler­wei­te­rung, um die Bewohner dort demütig zu machen und die Herr­lich­keit der Vra­ja­vāsīs ver­stehen zu lassen. Aber als ich sah, wie hart­herzig die Mathurāvāsīs waren und dass sie die süße Liebe der Vra­ja­vāsīs zu Mir nicht ver­stehen konnten, verlor Ich diese Hoff­nung. Ich sandte Uddhava nach Vraja und er bemühte sich, die Herzen der Ein­wohner Mathurās zu erwei­chen, aber es war fruchtlos.‘ Nachdem Kṛṣṇa Kaṁsa getötet und mit Jarā­sandha gekämpft hatte, brachte Er alle Mathurāvāsīs nach Dvārakā. Er dachte sich: ‚Sie sind nicht qua­li­fi­ziert, in der Nähe Vraja‐Maṇḍalas zu leben.‘“

Śrīla Guru­deva sagte dann: „Sinn und Zweck, in Mathurā zu wohnen, ist es, über Vraja und die Vra­ja­vāsīs zu medi­tieren und Ver­trauen in sie und eine Bezie­hung zu ihnen zu ent­wickeln. Die Frauen der brāh­maṇas ver­an­schau­li­chen dies. Sie erin­nern sich immer an den Aus­tausch zwi­schen Kṛṣṇa und den Vraja‐Gopīs. Aus diesem Grund kam Kṛṣṇa nach Bhatrol und nahm ihre Liebe an, indem Er ihre Speisen aß. Vipral­ambha na paya kṛṣṇa ki. Ohne die Stim­mung der Begierde zu kul­ti­vieren, kann man Kṛṣṇa nicht errei­chen. Kṛṣṇa selbst erin­nert Sich unent­wegt an die Vra­ja­vāsīs. Wenn man in Mathurā lebt, kann man sich leicht an die Vra­ja­vāsīs und an Śrī­matī Rād­hārāṇī erin­nern.

Sobald jemand in Mathurā‐Purī Rād­hārāṇī und die Vraja‐Devīs ver­herr­licht, ist Kṛṣṇa erfreut und gibt ihm die Qua­li­fi­ka­tion, in Vraja zu leben. Es ist Kṛṣṇas Wunsch, dass jeder den Ruhm Śrī­matī Rād­hārāṇīs und der Vraja‐Devīs ver­steht. Wer in Mathurā nicht unter der Füh­rung der Vraja‐Devīs lebt, wird eine Natur wie die Kubjās ent­wickeln. Die mei­sten Bewohner Mathurās besitzen Lust, nicht Liebe. In ihrer Nähe zu leben, lässt Lust im eigenen Herzen erwa­chen. Falls jemand jedoch den Vra­ja­vāsīs folgt, wird das Herz der Vra­ja­vāsīs aus Barm­her­zig­keit schmelzen. Durch die Strahlen ihrer Liebe wird dann die Krank­heit der Lust gerei­nigt und reine Liebe erwacht im Herzen. Den Beweis dafür findet man im Śrīmad‐Bhāgavatam (10.33.39): vikrīḍitaṁ vraja‐vadhūbhir idaṁ ca viṣṇoḥ ‒ bhaktiṁ parāṁ bha­ga­vati pra­til­abhya kāmaṁ.“

Śrīla Guru­deva schloss: „Kṛṣṇa ist überaus erfreut, wenn die Seelen, die im illu­so­ri­schen mate­ri­ellen Leben umher­irren, vom Ruhm der selbst­losen Liebe ange­zogen werden, die die Vra­ja­vāsīs zu Ihm ver­spüren. Aus diesem Grund eröff­nete mein ver­eh­rens­werter Śrī Gurupāda­padma, Śrīla Bhak­ti­pra­jñāna Keśava Gos­vāmī Mahārāja, eine Zweig­stelle Vrajas in Mathurā. Unsere Mis­sion besteht nicht nur darin, Kṛṣṇa zurück nach Vraja zu bringen. Wir werden alle bedingten Seelen nach Vraja bringen. Dies ist der ein­zige Ort, an der die Seele ewiges Glück erfährt. Die Vra­ja­vāsīs sind Kṛṣṇa über alle Maßen lieb. Kṛṣṇa wird nie­mals Freund­schaft mit jemandem schließen, der die Vra­ja­vāsīs miss­achtet. In Mathurā denkt Kṛṣṇa unent­wegt an die Zeit, die Er mit Vra­ja­vāsīs ver­brachte. Wenn jemand in Mathurā lebt und sich Kṛṣṇas Stim­mung der Sehn­sucht nach Vraja zum Vor­bild nimmt, wird Kṛṣṇa sehr erfreut sein. Er wird diesen Gott­ge­weihten ohne Zweifel von Sünden aus unzäh­ligen frü­heren Leben befreien und ihm die Qua­li­fi­ka­tion für Vraja‐Mandala ver­leihen.“

Die Gauḍīya‐Vaiṣṇavas, die Śrīla Guru­deva die Frage gestellt hatten, weinten, als sie diese ergrei­fende Ant­wort hörten. Danach ser­vierte Śrīla Guru­deva ihnen mahā‐prasāda und sorgte für ihre Beher­ber­gung. Fast alle Vaiṣṇavas, die aus oder nach Vraja‐Maṇḍala kamen, rei­sten durch Mathurā. Śrīla Guru­deva diente ihnen allen. Viele fort­ge­schrit­tene Schüler Śrīla Saras­vatī Ṭhākura Prab­hupādas hielten sich von Zeit zu Zeit in der Keśa­vajī Gauḍīya Maṭha auf. Guru­devas die­nende Hal­tung war so gewin­nend, dass sie ihn mit der Kraft und der Hin­gabe seg­neten, die tief­sten Wün­sche seines gött­li­chen Mei­sters zu erfüllen. Wäh­rend Śrīla Guru­deva in Mathurā lebte, chan­tete und medi­tierte er über Kṛṣṇas Gefühle der Sehn­sucht nach Vraja. Guru­deva ver­spürte den starken Wunsch, die Herr­lich­keit der Vraja‐Devīs zu ver­breiten. Beim rāsa‐līlā hatte Kṛṣṇa die gopīs ver­lassen. Nachdem er etwas später wieder vor ihnen erschien war, hatte er zu ihnen fol­gendes gespro­chen:

na pāraye ´haṁ niravadya‐saṁyujāṁ sva‐sādhu‐kṛtyaṁ vibud­hāyuṣāpi vaḥ yā māb­hajan durjara‐geha‐śṛṅkhalāḥ saṁvṛścya tad vaḥ pra­ti­yātu sād­hunā Śrīmad‐Bhāgavatam 10.32.22

Ich bin nicht imstande, euch euren makel­losen Dienst zu Mir zu ver­gelten, selbst nicht in einem Leben Brahmās (das Tril­lionen von Jahren währt). Eure Bezie­hung zu Mir ist über jede Kritik erhaben. Ihr habt Mich ver­ehrt und dabei all die fami­liären und sozialen Bin­dungen durch­trennt, die nur äußerst schwer auf­zu­geben sind. Lasst des­halb eure eigenen glor­rei­chen Taten euer Lohn sein.

Kṛṣṇa teilte den Vraja‐Devīs mit: „Ich kann Meine Schuld euch gegen­über nicht beglei­chen. In der Zukunft werden Meine reine Geweihten in diese Welt her­ab­steigen und die Herr­lich­keit eurer makel­losen Liebe ver­künden.“

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