Zwanzigstes Kapitel

Pilgerwanderung durch die Neun Heiligen Inseln

Jedes Jahr organisierte Śrīla Bhaktiprajñāna Keśava Gosvāmī Mahārāja eine Pilgerwanderung zu den zahlreichen heiligen Plätzen in und herum Śrī Navadvīpa-Dhāma. Mit einem großen Aufwand organisierte er prasāda und Unterkunft für Tausende Pilger. Vier Monate der Vorbereitung, von November bis Februar, gipfelten in den Festlichkeiten am Erscheinungstag Caitanya Mahāprabhus. Ācārya Kesarī organisierte Gruppen von Predigern, die Bengalen und andere Teile Indiens bereisten, Spenden sammelten und zum jährlichen Navadvīpa-Dhāma-parikramā einluden.

Einen Monat vor dem Beginn des parikramās intensivierten sich die Vorbereitungen für die Festlichkeiten. Jeder Bewohner der Devānanda Gauḍīya Maṭha legte mit Hand an. Śrīla Gurudeva, Sajjana-Sevaka und Rādhānātha Prabhu stellten große Zelte mit Bambusstangen auf, um die Pilger zu beherbergen. Sie brachten auch große Mengen Holz, Wagenladungen an Reis, Kürbissen, Kartoffeln, Dāl, Gewürzen, Öl, Zucker und anderen Zutaten zum Kochen für Mahāprabhu und die Pilger. Die Zeit verging rasch und der Eröffnungstag rückte näher. Śrīla Gurudeva war so in Vorbereitungen vertieft, dass er oft zu spät zum prasāda kam und manchmal auch gar nichts aß. Besorgt um seine Gesundheit, drängte Narahari Prabhu Gurudeva: „Komm und ehre prasāda.“

„Ja, ich komme gleich“, antwortete Gurudeva, „ich beende nur diese eine Sache.“

„Ich bringe deinen Teller hierher“, sagte Narahari Prabhu fürsorglich.

„Ich komme gleich.“

Narahari Prabhu ging und Śrīla Gurudeva fuhr mit seiner Arbeit fort. Vertieft in seinen Dienst, vergaß er die Zeit. Wenig später kam Narahari Prabhu zurück. „Bitte komm jetzt.“

„Nur noch eine Minute“, sagte Śrīla Gurudeva.

„Nein, du kannst nach dem prasāda weitermachen.“ Narahari Prabhu nahm Śrīla Gurudeva bei der Hand, servierte ihm prasāda und schließlich, nachdem allen anderen gegessen hatten, nahm er selbst prasāda zu sich.

Es ist Vorschrift für Gottgeweihte im Tempel, täglich eine feste Anzahl Heiliger Namen (harināma) zu chanten. Dies nimmt üblicherweise vier Stunden in Anspruch. Jedoch waren die Geweihten während der Woche vor und nach dem Parikramā so beschäftigt, dass Ācārya Kesarī zu ihnen sagte: „Gebt mir eure Gebetsketten. Ich werde für euch chanten und euch das Ergebnis zuteilwerden lassen. Ihr könnt während des Dienstes chanten. Denkt nicht, dass dies gewöhnliche Arbeit ist, es ist direkter Dienst zu Mahāprabhu.“

Śrīla Gurudeva diente unablässig zur Freude Śrī Gurus und Kṛṣṇas. Jemand, der durch die Gnade des spirituellen Meisters ermächtigt ist, kann, während er in vieler Weise tätig ist, zugleich vierundzwanzig Stunden am Tag Kṛṣṇas Heiligen Namen chanten. Das unaufhörliche Chanten, verbunden mit Dienst, offenbart im Herzen des Schülers das spirituelle Reich.

Dank der Barmherzigkeit der guru-varga wurden die großen Veranstaltungen wie der Navadvīpa-parikramā reibungslos vollendet. Ācārya Kesarī sorgte dafür, dass Tausende Pilger zehn Tage lang Nahrung und Unterkunft erhielten. Da er nicht genügend Gelder dafür besaß, nahm er Anleihen bei seinen Gottbrüdern auf, die er innerhalb der nächsten zwölf Monate zurückzahlte.

Eine Woche vor Beginn des Gaura-Pūrṇimā-Festes begannen Pilger in einem steten Strom einzutreffen. Als die Pilgerwanderung begann, standen alle früh auf und gingen morgens um fünf in großer Prozession auf parikramā. Der glückverheißende Tag, den parikramā zu beginnen, ist der achte oder neunte Tag des zunehmenden Mondes im Monat Phālguna (Februar-März), und der Tag, ihn zu beenden, ist der Vollmondtag des gleichen Monates. Die Gottgeweihten begannen mit dem parikramā in Godruma und gingen von dort aus nach Madhyadvīpa. Danach überquerten sie die Gaṅgā und besuchten nacheinander Koladvīpa, Ṛtudvipa, Jahnudvīpa, Modadrumadvīpa und Rudradvīpa. Schließlich beendeten sie den parikramā mit dem Umkreisen von Antardvīpa und Sīmantadvīpa.

navadwip

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